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Auf Bremer Gymnastinnen ist Verlass

Olympiastarterin Julia Stavickaja erhört den Notruf aus Schmiden und kehrt bis zur WM in die Nationalgruppe zurück

Für Julia Stavickaja war das Kapitel deutsche Nationalgruppe nach dem Auftritt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro eigentlich längst abgeschlossen. Zurück in Bremen begann die Gymnastin im vergangenen Herbst ihr Jurastudium und trainierte weiter als Einzelgymnastin am Bundesstützpunkt mit dem Ziel, bei der Universiade 2017 starten zu können. Doch es kam anders. Ab diesem Montag turnt die 19-Jährige wieder im Nationalzentrum in Schmiden, um in der Gruppe auszuhelfen. Seit Anfang des Jahres kämpft das Team, das nach Rio drei Abgänge verkraften musste, gegen einen Absturz aus der internationalen Spitze. Die Stabilität in der neu zusammengestellten Mannschaft lässt zu wünschen übrig – mit der Folge, dass es in der Weltcup-Serie mit vielen Geräteverlusten zu enttäuschenden Ergebnissen kam. Im September sollen die deutschen Gymnastinnen bei der Weltmeisterschaft in Italien starten, doch mit der momentanen Form dürfte dort kaum was zu holen sein. Also soll Julia Stavickaja bis dahin die Gruppe verstärken und zu einem hoffentlich erfolgreichen WM-Auftritt verhelfen. Vor allem nach den erfolgreichen Auftritten der Bremerin bei den deutschen Einzelmeisterschaften war den Verantwortlichen in Schmiden klar, dass nur Julia Stavickaja der Gruppe weiterhelfen kann. Schließlich erturnte sie sich im Mehrkampf und mit dem Ball zwei Bronzemedaillen, bekam Silber mit dem Reifen und wurde im Bandfinale Deutsche Meisterin. Bundestrainerin Ekaterina Dulamova, die mit der Gruppe in Berlin einen Showauftritt absolvierte, war fasziniert, wie Stavickaja sich in so kurzer Zeit zu einer der besten deutschen Einzelgymnastinnen entwickelt hat. „Julia hat sehr mit sich gerungen, ob sie tatsächlich wieder in der Nationalgruppe turnen soll“, sagt Larissa Drygala, leitende Trainerin am Bundesstützpunkt in Bremen. Beim ersten Anruf hatte Julia Stavickaja eine Rückkehr noch kategorisch ausgeschlossen. Zu tief saß die Enttäuschung, dass der Deutsche Turnerbund (DTB) den versprochenen Start bei der Universiade am Ende nicht unterstützt hat. Doch das „emotionale Wiedersehen“ mit Natalie Herrmann von Bremen 1860, die bekanntlich weiter in der Nationalgruppe turnt, sowie Mannschaftskollegin Sina Tkaltschwewitsch in Berlin haben die 19-jährige Bremerin noch mal überlegen lassen. Zumal der DTB zu Zugeständnissen bereit war. So erhielt Julia Stavickaja die Zusage, dass sie in der nächsten Saison als Einzelgymnastin an einigen Weltcups oder Grand Prix-Wettbewerben für Deutschland starten darf. Aber auch in beruflicher Hinsicht ist der DTB Verpflichtungen eingegangen. „Julia geht bis September nach Schmiden, lernt parallel für die vier Juraprüfungen im Juli und wird für diese Termine auf Kosten des DTB nach Bremen geflogen“, erklärt Larissa Drygala. Zudem wurde in Schmiden ein Mentor organisiert, der sie vor Ort auf die Prüfungen vorbereitet. Die Bereitschaft, so kurzfristig auszuhelfen, sowie die großen Erfolge der Bremer Nachwuchs-Gymnastinnen bei den Deutschen Meisterschaften müssten dem DTB am Ende auch verdeutlichen, wie verlässlich in Bremen gearbeitet wird. „Ich kann nur hoffen, dass sich unser Engagement auszahlt und wir die Acht-Jahre-Anerkennung für den Stützpunkt erhalten“, erklärt Larissa Drygala. VON RUTH GERBRACHT Weser-Kurier, Ausgabe 19.06.2017, Seite 22  

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