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Eleganz mit Degen und Florett

Die Bremer Fechter tragen zum zweiten Mal offene Landesmeisterschaften aus

Sich belauern, den Kontrahenten nicht aus den Augen lassen, seine Bewegungen studieren und ableiten, was sein nächster Zug sein könnte. Beim Fechten kommt es nicht nur auf Technik und Fitness an. Taktik und Konzentration spielen eine ganz entscheidende Rolle. Und wer das am besten beherrschte, zeigte sich am Wochenende, als die Bremer Landesmeisterschaften in den Hallen von Bremen 1860 ausgetragen wurden. zum zweiten Mal erst hat der Bremer Fachverband Fechten die Meisterschaften geöffnet. Dadurch traten neben Fechtern aus den drei Bremer Vereinen Hanseatischer Fechtclub Bremen (HFCB), Fechtverein Bremen 1860 und Fecht-Club Bremen-Nord (FCBN) auch Fechter aus Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen an. „Das Niveau ist bei der Landesmeisterschaft, seitdem sie offen ist, deutlich höher“, sagt 1860-Fechter Joachim Hoops. Viele Fechter von außerhalb nehmen das Angebot an, sich gegen andere zu messen. Joachim Hoops ficht seit rund 35 Jahren, seit einigen davon nur noch mit dem Degen. In seiner Gruppe Herrendegen Aktive musste er sich einem geschlagen geben, der mindestens genauso lange aktiv ist, wie er selbst – und das auch noch im selben Verein. Hoops und Michael Albrecht trainieren miteinander und kennen sich gut, was der Nachteil gewesen sein könnte, meint Joachim Hoops. Letztlich sicherte sich Michael Albrecht Bronze, Joachim Hoops landete auf Platz acht. Ein wirklich spannendes Finale in dieser Gruppe lieferten sich Wladimir Welsch vom FC Bremen-Nord und Rafael Reisenhofer von Bremen 1860. Im Finale lag Rafael Reisenhofer zwischendurch vorn, Waldimir Welsch kämpfte sich wieder heran und schlug den 1860er ganz knapp mit 15:14 Treffern. Ähnlich spannend ging es auch beim Nachwuchs zu. Auch dort hieß die Paarung FC Bremen-Nord gegen FV Bremen 1860; und auch dort stand am Ende der Fechter aus Bremen-Nord ganz oben. Moritz Mießler (15) schlug Tom Willems (14) bei den Junioren am Florett. Der wohl sichtbarste Unterschied zwischen Degen und Florett ist, dass beim Florett nur der Rumpf als Trefferfläche gilt, während es beim Degen der ganze Körper ist. Die Fechter tragen deshalb beim Florettfechten eine elektronische Weste, die die Treffer registriert. Reine Konzentrationssache Bereits 2009 kam Moritz Mießler zum Fechten und hat dadurch auch schon einige Meisterschaften absolviert und gewonnen. „Aber man freut sich über jeden Titel“, sagt er. Der Reiz an dem Sport sei, dass Fechter die ganze Zeit eine unglaubliche Konzentration aufbringen müssen. „Er hat seine Leistung abgerufen“, sagt Lech Zimny, der Moritz Mießler trainiert. In der Gruppe Jugend A am Herrenflorett klappte das dann nicht mehr ganz so gut, als Moritz Mießler sich mit Bronze zufrieden geben musste. Den zweiten Platz gepachtet hatte dagegen Tom Willems. Der 1860er trat in denselben Gruppen an, wie Moritz Mießler und holte sich beide Male den Vize-Titel. Ein Spaziergang war das nicht. „Die Landesmeisterschaften haben sich weiterentwickelt“, sagt Fechter Willems. Seit drei Jahren trainiert er den Sport und trat auch zum dritten Mal bei den Landesmeisterschaften an. „Tom hat sich im letzten Jahr ganz stark entwickelt“, sagt sein Trainer Sebastian Theiß. Besonders deutlich wurde das in der Gruppe der A-Jugend. Das entspreche der U 17. „Das heißt, er tritt an gegen Leute, die fast drei Jahre älter sind, als er“, so der Coach. Umso schöner, dass er sich in dieser Gruppe auch durchsetzen konnte. Moritz Mießler und Tom Willems treffen am zweiten November-Wochenende bei einem Turnier in Pinneberg erneut aufeinander. Nicht nur Fechter, sondern auch Obmann war Jan Middelberg vom Hanseatischen FC. Bei den Herren landete er am Degen auf Platz 13, beim Nachwuchs zählte er die Punkte. Die Vereine stellten die Obfrauen und Obmänner, auch bei diesen Landesmeisterschaften. Die Rechnung ging auch auf und es standen genug Obmänner an den Bahnen, um die Meisterschaften ohne Komplikationen über die Bühne gehen zu lassen. Grundsätzlich, sagt Jan Middelberg, ist die Zahl der Schiedsrichter nicht so hoch. In Bremen gebe es keine regelmäßigen Ausbildungsangebote für Obleute. Er würde gern eine offizielle Obmann-Ausbildung machen, denn bislang hat er die nicht. Das sei bei der Jugend aber nicht wirklich tragisch. Der Nachwuchs bewegt sich noch nicht ganz so schnell. Zudem haben die Obleute bei den Schülern und Jugendlichen eher pädagogische Aufgaben. Da müsse man schon öfter erklären, was warum genauso gewertet wurde und was ein Fechter falsch gemacht hat. Beim Florett, mit dem gerade vom Nachwuchs oft gefochten wird, gibt es beispielsweise ein Trefferrecht. Gezählt werden nur die Punkte von demjenigen, der gerade das Trefferrecht hat. Beim Degen dagegen zählt jeder Treffer. VON lIANE jANZ Weser - Kurier, Stadtteilkurier Nordost, Ausgabe 23.10.2017, Seite 6

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