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Bremen 1860 durchbricht Nordbremer Dominanz

Fechter holen sich bei der Landesmannschaftsmeisterschaft die Titel mit dem Degen und mit dem Florett

Déjà-vu. Wieder sind es die beiden besten Bremens, die sich ein spannendes Duell liefern. Dieses Mal geht es jedoch anders aus. Bremens Fechter haben ihre Landesmannschaftsmeisterschaft ausgetragen. In der Sporthalle des Schulzentrums Walle, dem Trainingsgelände des Hanseatischen Fechtclubs Bremen (HFCB), trafen sich die Teilnehmer vom HFCB, dem Fechtclub Bremen-Nord und dem Fechtverein Bremen 1860 und ermittelten mit Degen und Florett ihre Besten. Bei der Jugend und den Frauen hatten sich nicht genügend Starter gemeldet, um die Wettkämpfe austragen zu können. Im Degen musste zunächst Team gegen Team ran. Danach stand der Fechtclub Bremen-Nord (FCBN) auf Rang eins und war somit für das Finale gesetzt. 1860 schlug den HFCB mit 45:24 und stand somit als zweiter Finalist fest. Die Teammitglieder traten nacheinander jeder gegen jeden an. Das Team, das zuerst 45 Punkte erreicht hatte, ging als Sieger von der Bahn. In den finalen Degenduellen übergab 1860er Michael Albrecht die Bahn an Teamkollegen Sebastian Theiß mit einem Vorsprung von 33:28 Treffern. Gegen Julian  Gäbel vom FCBN konnte Sebastian Theiß den Vorsprung halten und übergab seinerseits an Raphael Reisenhofer mit einem Punktestand von 39:35. Im letzten Duell stehen sich für gewöhnlich die jeweils Teambesten gegenüber, sagte Ute Hannemann, Vorsitzende des Clubs aus Bremen-Nord. Im Fall von Bremen 1860 ist das Raphael Reisenhofer; bei den Bremen-Nordern ist das Wladimir Welsch. Genau dieses Finalduell gab es auch schon im Oktober bei den Landesmeisterschaften im Einzel. Damals ging Wladimir Welsch ganz knapp als Sieger hervor und damit als Landesmeister aus der Halle. Jetzt musste er für sein Team einen Rückstand aufholen. Das werde schwer, flüstert Ute Hannemann am Rand. Sie weiß aber auch: „Er hat sehr viel Willenskraft.“ Den ersten Punkt macht Raphael Reisenhofer. Bis zu einem Stand 42:36 hielt der 1860er seinen Kontrahenten auf Distanz. Doch dann stieß Wladimir Welsch vor, holte Punkt für Punkt auf, bis es schließlich kurz vor Ablauf der drei Minuten Fechtzeit nur noch 44:43 für den 1860er Reisenhofer stand. Dann noch mal alle Konzentration sammeln, der letzte Angriff und – Schlusspunkt. Raphael Reisenhofer traf und machte sein Team damit zu Landesmeistern im Degenfechten. „Man hat einen Plan und der funktioniert und dann fuchst der andere ihn aus“, erzählte Raphael Reisenhofer anschließend über den Punktverlust. Seine zuvor zurechtgelegte Strategie ging auf, bis Wladimir Welsch dahinterkam und sich darauf einstellte. „Das ist nicht unüblich“, sagte der 1860er. Zum Schluss hat der Vorsprung gereicht. Nach Jahren der Dominanz muss Bremen-Nord den Team-Titel abgeben. Bremen-Nord war an dieser Stelle raus aus dem Wettbewerb, denn im Florett hatten sie niemanden gemeldet. In dieser Disziplin fochten 1860 und der HFCB den Sieger unter sich aus. Den Anfang machten Alexander Barros für den HFCB und Luis Wassenaar für den FV Bremen 1860. Und der 1860er legte gut vor, ging mit 5:1 Treffern aus dem Duell und übergab diesen Vorsprung an Teamkollegen Sebastian Höpker. Der ließ seinerseits seinem Gegner Jan Middelberg keine Chance und übergab mit einem Vorsprung von 8:1 an Raphael Reisenhofer. Auch der konnte den Vorsprung gegen Karsten Hätscher aufrecht halten und sogar ausbauen. Bei einem Stand von 15:5 übergab Raphael Reisenhofer an Luis Wassenaar. Ihm stand Jan Middelberg gegenüber; der Vorsprung war nicht gefährdet. Mit 20:10 ging das Gefecht der beiden aus und Raphael Reisenhofer übernahm wieder. Gegen Alexander Barros musste er allerdings Punkte lassen. 25:22 stand es nur noch für die 1860er, als Sebastian Höpker wieder auf die Bahn ging. Er ließ HFCBler Karsten Hätscher keinen einzigen Treffer landen und baute die Führung wieder auf 28:22 aus. Für Raphael Reisenhofer wechselte Tom Willems für 1860 ein. Noch frisch ließ auch er seinen Gegner, Jan Middelberg, keinen Treffer landen und übergab mit einem Stand von 35:22 an Luis Wassenaar. Er büßte gegen Karsten Hätscher ein paar Punkte ein, konnte aber einen komfortablen Vorsprung von 39:29 behaupten. Im finalen Duell machten es Sebastian Höpker und Alexander Barros spannend: Sebastian Höpker behielt die Führung bis zu einem Stand von 44:34 – und hätte nur noch einen Treffer zum Sieg gebraucht. Doch wer traf, war Alexander Barros. Noch drei Treffer lang mussten die 1860er zittern. Dann erzielte Sebastian Höpker die Erlösung. 45:37 Treffer standen am Ende für Bremen 1860 zu Buche. Allein für die beiden Disziplinen Degen und Florett und das auch nur mit drei Vereinen, haben die Fechter mehr als einen halben Tag gebraucht. Deshalb habe man gar nicht erst mit dem Gedanken gespielt, auch diese Landesmeisterschaften zu öffnen, sagte Jens Drünert, Vize-Präsident Finanzen im Landesfachverband der Fechter. Bei den Landesmeisterschaften im Einzel im Oktober ist man noch diesen Weg gegangen, um mehr Gefechte austragen zu können. Beim Teamwettkampf wäre das zeitlich einfach nicht drin. VON LIANE JANZ Weser - Kurier, Ausgabe 11.12.2017, Stadtteilkurier Nordost, Seite 8