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Ein Traum in Blau und Gelb

Rugby-Spieler Ibb Mayr von Bremen 1860 ist ein Jahr lang für das schwedische U18-Nationalteam gesetzt

Gleich ist der Moment: Das Ei nähert sich dem letzten Beinpaar im Gedränge und ist zum Greifen nah. Auf genau diesen Augenblick lauert der Gedrängehalb, die Nummer neun im Rugby. Ball aufnehmen, im Blick haben, welcher Mitspieler wo steht und das ovale Ding abgeben. Wenn alles gut geht, bricht einer der Stürmer durch die gegnerischen Reihen und verhilft seinem Team zum Versuch. Die Nummer neun, einer der wichtigsten Männer auf dem Platz, das ist beim Verbandsliga-Team von Bremen 1860 Ibb Mayr. Seine Aufgabe macht er so gut, dass er genau diese Position für ein Jahr auch bei der schwedischen U18-Nationalmannschaft einnimmt.
Der 17-Jährige lebt in Bremen und hat über einen Freund in der Hansestadt zu Rugby gefunden. Bei Bremen 1860 begann seine Laufbahn vor drei Jahren. Ibbs älterer Bruder Abbe Mayr durchlief genau dieselbe Erfahrung in Schweden. Auch er spielt auf der Neun. Wenn die zwei sich sehen, ist oft auch ein ovaler Ball im Spiel. „Von ihm bekomme ich auch mal ein paar Tipps“, erzählt der jüngere Mayr. In den Ferien stand Ibb Mayr in dem schwedischen Club, in dem sein Bruder spielt, auf dem Rasen und trainierte mit der Mannschaft. Deren Trainer schlug Ibb vor, mit zum Auswahltraining zu reisen und sich dem U18-Trainer Andy Stewart zu zeigen. Der Youngster überzeugte und fuhr daraufhin mit zu zwei Trainingslagern.
Beim ersten Trainingslager in Stockholm sei es vor allem darum gegangen, dass sich das Team kennenlernt, erzählt Ibb Mayr. Im zweiten Trainingslager in Dänemark stand ein Testspiel gegen die U18 des Nachbarlandes an. Danach ging es zur „Yorkshire Carnegie Tour“ nach England. Gegen Gastgeber Yorkshire stand der 1860-Spieler zwei Mal auf dem Platz. Gegen die U17 von Yorkshire Carnegie gewann sein Team ganz knapp 33:32. Dabei hatten die Schweden das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. „Die meisten Engländer hatten nicht erwartet, dass in Schweden auch Rugby gespielt wird“, erzählt der Neuner. Die Gastgeber lernten aber schnell dazu. Gegen die U18 des englischen Clubs unterlagen die Schweden 5:22. Trotzdem sei es eine einmalige Erfahrung gewesen, sagt Ibb Mayr.
Vor allem was seine Passqualität und die Kommunikation mit den Mitspielern angeht, habe er vom schwedischen U18-Trainer einiges dazu gelernt. „Auch ein bis zwei Spielzüge konnte ich hier in Bremen einführen“, erzählt der Gedrängehalb.
Zeitgleich mit dem Turnier in Yorkshire wurde in Litauen die U18-Europameisterschaft im 7er-Rugby ausgetragen. Auch dafür hatte sich der Bremer Spieler beworben, wurde aber für das 15er-Turnier in England ausgewählt. Im Herbst stehen die „Baltic Championships“ an, bei denen sich die baltischen und skandinavischen Staaten messen werden. Dafür sei er schon gesetzt, erzählt der Nationalspieler. Allerdings werden die Länderspiele nach dem schwedischen Ferienkalender angesetzt, und der stimmt nicht immer mit dem bremischen überein. Mit seiner Schule, dem Ökumenischen Gymnasium in Oberneuland, habe es deswegen aber noch keine Probleme gegeben. Wenn er die Termine rechtzeitig anmelde, werde er in der Regel auch freigestellt, erzählt Ibb Mayr. Schließlich liegen die sportlichen Anstrengungen im nationalen Interesse Schwedens.
Im kommenden Jahr will er am ÖG das Abitur ablegen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht genau. Studieren und auf jeden Fall weiter Rugby spielen stehen ganz oben auf der Liste. Nur müsse er noch eine Uni finden, an der sich die beiden Ziele ergänzen. Bruder Abbe hat ein Rugby-Stipendium an einer amerikanischen Universität bekommen. Das wäre die Ideallösung auch für ihn selbst, findet Ibb Mayr. Für das erste Herrenteam von Bremen 1860 wären das schlechte Nachrichten, denn es würde bedeuten, dass der vielversprechende Nachwuchs die Hansestadt verlässt, wenn er gerade 18 geworden ist. Und 18 muss er sein, um das erste Team verstärken zu dürfen.
Ganz so leicht dürfte es mit einem Stipendium nicht werden, das weiß der Rugby-Spieler selbst. Wie in Deutschland führt Rugby auch in den skandinavischen Ländern ebenso wie in den USA ein Nischendasein. Und wer es in einer der Rugby-Nationen wie Großbritannien oder Frankreich schaffen will, muss richtig was auf dem Kasten haben. Dort ist der Andrang auf die Plätze in den Teams erheblich größer. Glücklich sind dann diejenigen, die aus binationalen Familien stammen. Auch im schwedischen Team waren einige dabei, die halb schwedisch, halb englisch sind, aber bei denen es für die englische U18 nicht gereicht hat, erzählt Ibb Mayr. Die Stimmung aber sei großartig gewesen, egal woher die Kollegen kamen. Wie im Verein ist Rugby auch in den Nationaltrikots ein Mannschaftssport, bei dem es wesentlich stärker auf das Teamgefühl ankommt, als beispielsweise im Fußball.
 

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