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Neuer Cheftrainer fürs Rugbyteam

Andreas Müller löst Ben Hendry als Coach für das Rugby-Bundesligateam ab

Da stand er an der Seitenlinie: Ben Hendry, Rugby-Cheftrainer bei Bremen 1860, und beobachtete das Geschehen vor ihm auf dem Rasen. Nur wenige Schritte von ihm entfernt ein neues Gesicht. Aus dem Coaching hielt sich Andreas Müller noch raus, er hat erst nach der Niederlage im Pokal die Leitung beim Rugby-Zweitligisten. Außerdem soll er die Nachwuchsarbeit auf solide Beine stellen.
Dass der Neuseeländer Ben Hendry als Trainer in Bremen aufhört und seinen Weg in Großbritannien fortführen möchte, war bereits länger bekannt. Andreas Müller gilt als Wunschkandidat für die Nachfolge. Der 55-Jährige begann als Fünfjähriger seine Rugby-Laufbahn beim TSV Victoria Linden. Das Talent war ihm in die Wiege gelegt; auch Vater und Großvater spielten Rugby. Mit Victoria Linden war er als Spieler lange in der Bundesliga erfolgreich. Und mit der U 19-Nationalmannschaft stand er elfmal beim „Fira-Cup“, dem Vorläufer der Junioren-WM, auf dem Rasen.

Schon während seiner aktiven Zeit begann der Hannoveraner, sich zum Trainer auszubilden. Inzwischen besitzt er die A-Lizenz. Ab 2014 betreute er die Spielgemeinschaft VfR Döhren/SV Odin Hannover und führte sie in den Ligapokal. Im vergangenen Jahr saß er bei der FT Adler Kiel auf der Trainerbank, einem direkten Konkurrenten von Bremen 1860. Aus diesen Begegnungen, die Bremen stets gewann, kennt er sein neues Team schon etwas. „Ich weiß, dass gute Stürmer da sind“, sagt Müller. In der Hintermannschaft sieht er Potenzial, das noch nicht ganz ausgeschöpft ist.

Im Ligapokal sah Müller, wie das Match gegen die TSG Hausen eine komplett neue Herausforderung für das 1860-Team darstellte. Im Süden spiele man körperbetonter, merkte Müller schon vor dem Ankick an. Die Bremer hielten in dem Viertelfinale eigentlich gut mit, unterlagen aber dennoch mit 14:32. Bis Mitte der ersten Halbzeit führten die Gastgeber sogar. Zwei Strafkicks von Göran Werner und ein Versuch durch Paul Kölsch brachten sie mit 11:3 nach vorn. Dann begann die Hausener Aufholjagd: Zwei Versuche und eine Erhöhung später hatten sie die Gastgeber überflügelt. Zwar holte Göran Werner direkt nach dem Seitenwechsel durch einen weiteren Penalty noch einmal drei Punkte für 1860, doch die Gäste zogen immer weiter davon.

Es wäre durchaus mehr drin gewesen, kommentierte Ben Hendry. Durch individuelle Fehler und Ballverluste habe sein Team einige Versuche gegen sich verursacht. Auch wenn er lieber mit einem Sieg gegangen wäre, zieht er eine positive Bilanz seiner sechs Jahre als 1860-Coach. Die Mannschaft insgesamt spiele Rugby auf einem deutlich höheren Niveau; einige seiner Spieler seien auch persönlich gereift. Der Klub habe zuletzt einige schmerzliche Weggänge zu verkraften gehabt und dennoch Spieler aus der eigenen Jugend integrieren können, so Hendry. Mit jungen Talenten wie Kai Sölter, Paul Kölsch, Moritz Sasse und Moritz Melcher sowie einem Stamm an erfahrenen Spielern wird Andreas Müller ab Mitte Juli ins Training einsteigen und will dann die oberen Tabellenplätze in der zweiten Liga ins Visier nehmen.

VON LIANA JANZ
Weser-Kurier, Ausgabe 28.06.2018, Seite 27

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