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Die Spannung steigt

Bremens Gymnastin Julia Stavickaja erlebt beim Weltcup in Russland ein erstes WM-Gefühl

Die Anspannung war groß. Schließlich stand Julia Stavickaja von Bremen 1860 im russischen Kasan eine echte Generalprobe bevor. Beim Weltcup der Rhythmischen Sportgymnastik traf Bremens beste Gymnastin direkt auf heftige Konkurrenz, die auch bei der Weltmeisterschaft vom 7. bis 17 September in Sofia dabei sein wird. Da galt es vornehmlich, nicht einzuknicken, was nicht immer so leicht ist. Die 20-jährige Bremerin hat sicherlich mehr drauf, als sie am Ende gezeigt hat und auf Platz 37 kam. „Julia war schon mit einer gewissen Bürde als WM-Teilnehmerin etwas verhalten in die Wettkämpfe gegangen“, meinte Trainer Larissa Drygala, die als Kampfrichterin in Kasan alles im Blick hatte.
Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Vorbereitung auf die WM, also auch der Start in Russland, mehr als kurzfristig ist. Schließlich hatte Julia Stavickaja erst vor rund einem Monat erfahren, dass sie anstelle der verletzten Deutschen Meisterin Lea Tkaltschewitsch bei der Weltmeisterschaft starten darf. „Um wirklich vorne mitturnen zu wollen, muss man sich mindestens ein Jahr auf einen solchen Wettkampf vorbereiten und das täglich“, sagt Larissa Drygala.

Allerdings lassen sich Gymnastin und Trainerin nicht davon abhalten, die eigenen Ziele bei der WM trotz aller Widrigkeiten zu verfolgen. Seit Wochen ist Julia Stavickaja täglich zweimal beim Training in der Gymnastikhalle des Bremer Bundesstützpunkts zu finden. An den einzelnen Übungen mit den verschiedenen Geräten wird intensiv zusammen mit der Trainerin gefeilt und auch verändert. Wichtig dabei: Die Schwierigkeiten müssen sitzen und vor allem auch fehlerfrei präsentiert werden. In Kasan hatte Julia Stavickaja die ein oder andere Schwierigkeit weggelassen, was schließlich mit Punktabzug bestraft wurde. „Bei einer Weltmeisterschaft muss man auch ins Risiko gehen, sonst gibt es niedrige Wertungen“, erklärt Larissa Drygala. Mit der Keule lief es besser als mit den anderen Handgeräten, und entsprechend in die Höhe ging dann auch die Bewertung.

Von diesem etwas verhaltenen Weltcup-Auftritt hat sich die 20-jährige Gymnastin jedoch nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil. Julia Stavickaja hat sehr genau beobachtet, wie die Konkurrentinnen im Weltcup-Finale geturnt haben. Dabei ging es vor allem auch um Elemente, die in Deutschland nicht anerkannt sind, international aber schon. Dementsprechend hat Bremens Gymnastin das ein oder andere in ihre Übungen mit aufgenommen. Julia Stavickaja ist also dabei, ihre Übungen WM-tauglich zu gestalten.

Kein Wunder, schließlich erfüllt sich mit der WM-Teilnahme ein großer Traum von ihr. Da will sie glänzen. Dass die Bremerin nicht vorn mit der Elite mithalten kann, allein schon aufgrund der Tatsache, dass sie Studium und Sport verbinden muss, weiß Julia Stavickaja genau. Deshalb lautet ihr WM-Ziel: „Einfach gut turnen und präsentieren.“

Ab dem Wochenende bereitet sie sich nicht mehr allein auf die WM vor. Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft machen die australischen Gymnastinnen Station in Bremen. „Wir hatten ihnen angeboten, sich in unserem Bundesstützpunkt vorzubereiten, und das haben sie angenommen“, sagt Larissa Drygala.

Am 7. September geht es dann für alle nach Sofia, wo Larissa Drygala dann wieder als Kampfrichterin an der Fläche sein wird und ihre Athletin dementsprechend nicht betreuen kann. Diese Aufgabe übernimmt dann die Trainerin der zweiten deutschen Starterin, Noemi Peschel. Das sei eine gute Regelung, erklärt Larissa Drygala, denn beim Weltcup in Russland musste Julia Stavickaja schließlich noch allein klarkommen.

VON RUTH GERBRACHT
Weser-Kurier, Ausgabe 30.08.2018, Seite 26

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