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Vom Anfänger zum Fachmann

Ex-Nationalspieler Andreas Müller ist neuer Trainer des Rugby-Zweitligisten Bremen 1860

Dieser Mann kennt im Grunde fast nichts anderes als Rugby. Von der Pampersliga bis zur Bundesliga hat er gespielt, war international unterwegs und gibt nun schon seit Jahren sein Wissen als Trainer an nächste Generationen weiter. Mit Andreas Müller hat sich Zweitligist Bremen 1860 Rugby einen Fachmann als Cheftrainer geholt, der bei seiner Premi­ere an diesem Sonnabend gleich gegen sein altes Team ranmuss. Auf dem Platz am Baumschulenweg 8-10 empfängt Bremen 1860 um 15 Uhr die FT Adler Kiel.

Er hoffe natürlich auf einen Sieg, sagt der Trainer. Mit den Adlern war er ein Jahr lang sieglos, wobei er das Team nur im ersten Halbjahr hauptverantwortlich betreut habe. Im zweiten Halbjahr übernahm der Co-Trainer den Part, weil für den Hannoveraner Müller das Pendeln zu aufwendig wurde. Auch jetzt kommt Müller für die Trainingseinheiten mit 1860 dreimal pro Woche aus Hannover nach Bremen gereist.

Hannover ist dort, wo alles begann. Für Victoria Linden und zwischenzeitlich 08 Ricklingen spielte der heute 55-Jährige ein Vierteljahrhundert in der Bundesliga. „2005 haben wir Victoria noch mal vor dem Abstieg gerettet“, blickt er zurück. International war Andreas Müller mit der deutschen U 19 beim FIRA-Cup im Einsatz, spielte gegen Philip Sella, Didier Camberabero und Eric Champ aus Frankreich. Elf Mal durfte er das Nationaltrikot tragen und feierte dabei unter anderem Siege gegen Schottland, Belgien und Spanien. Der Wettbewerb der „Fédération Internationale de Rugby Amateur“, kurz FIRA, war der Vorläufer der heutigen Rugby-Junioren-Weltmeisterschaft. Mit zunehmendem Alter rückte der gelernte Hintermannschaftsspieler Müller nach vorn in den Sturm. „Ich war immer ein Edelreservist, da ich alle Positionen spielen konnte“, sagt er.

Mitte der Achtziger durfte Müller als „Rookie“, also als Anfänger beim Einladungsteam des englischen Klubs „Public School Wanderers“ mitspielen, Seite an Seite mit Akteuren aus den „Five Nations“. „Das war ein Wahnsinns-Erlebnis“, schwärmt er noch heute. Zu den „Five Nations“ zählten damals die Rugby-Nationen England, Irland, Schottland, Wales und Frankreich. Durch die spätere Aufnahme Italiens spielen heute „Six Nations“ in dem Kreis.

Als A-Lizenz-Trainer will Müller nun mit Bremen 1860 erfolgreich sein. Ende Juli stieg er mit dem Team ins Training ein und versucht seitdem, ein offensives Spielsystem zu etablieren. „Das lehnt sich ein bisschen an die ‚All Blacks’ an“, sagt Müller. Das ist das neuseeländische Rugby-Nationalteam. Mit dem offensiven Rugby möchte er nicht nur Siege einfahren, sondern auch neue und alte Fans für den Sport begeistern. Das System wolle er im Saisonverlauf weiter verfeinern und auch an der Athletik der Spieler arbeiten. Dann soll es irgendwann auch mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga klappen.

„Das ist ein langfristiges Projekt“, sagt der Coach. Dafür müssen nicht nur die Herren fit und taktisch sicher sein, sondern es muss auch die Nachwuchsarbeit als Unterbau funktionieren. Ein Schritt dorthin ist ein „Recruiting Day“ am Sonntag, 23. September, von 14 bis 17 Uhr, an dem Jugendliche und junge Männer den Sport kennenlernen können. Für solche Termine hat der Trainer Zeit, denn die zweite Liga besteht aktuell nur aus fünf Mannschaften.

VON LIANE JANZ
Weser-Kurier, Ausgabe 06.09.2018, Seite 23

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