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Männer ohne Mumm

Rugbyteam von Bremen 1860 enttäuscht gegen DRC Hannover

Was sollte Andreas Müller dazu sagen? Der Trainer selbst fand keine Worte. Eigentlich war Bremen 1860 Rugby in der Zweitligapartie gegen den DRC Hannover als Favorit auf den Platz gegangen. Noch dazu war es ein Heimspiel. Doch nach Ablauf der 80 Spielminuten stand ein 12:17 auf dem Tableau. Die Bremer haben dabei keinen einzigen Versuch gelegt. Alle Punkte kamen durch Strafkicks, in der ersten Halbzeit von Göran Werner, in der zweiten von Moritz Melcher, zustande.
Der Traum vom Erreichen der Play-offs hat sich damit wohl erledigt. Eigentlich hatte Trainer Andreas Müller seine Bremer nach der Hinrunde auf dem zweiten Platz in der zweiten Rugby-Bundesliga erwartet. Die etablierten Teams wollte er gern ein bisschen ärgern und eventuell um den Aufstieg mitspielen. Jetzt, wo die Hinrunde durch ist, ist Bremen 1860 Vierter und damit Vorletzter der Liga.

Was den Trainer besonders wurmt: Im Training hat er ein Topteam auf dem Feld. Da wird getackelt, als gäbe es kein Morgen. „Jedes Training ist härter als das Spiel heute“, sagte der Coach. Denn wenn es drauf ankommt, zeigen seine Männer offenbar Nerven. „Wir spielen gut in die Breite, aber wir machen damit keinen Meter vorwärts“, analysierte Müller nach der letzten Hinrundenpartie. Soll heißen, dass die Pässe sitzen. Das Team bildete eine Linie vorm Gegner und warf sich das Ei hin und her. Nach vorn passierte wenig. Die Spieler gehen nicht energisch genug in die Tackles, monierte der Trainer. Gerade gegen den DRC verwunderte das, denn die meisten Hannoveraner waren kleiner als die Bremer und überzeugten auch nicht unbedingt durch Masse. Weshalb Andreas Müller sogar überlegt, ob womöglich ein Mentaltrainer eingeschaltet werden müsse.

Fitness ist ein Aspekt, den der Coach hervorhebt. Sein Team hätte von der Kondition her nach den 80 Minuten problemlos noch weiterspielen können, während zum Schluss hin immer mehr Hannoveraner mit Muskelkrämpfen am Boden lagen. Die vielen Spielunterbrechungen in den letzten zehn Minuten nahmen den Bremern die Zeit, die sie für den Ausgleich gebraucht hätten. Sie standen kurz vorm gegnerischen Malfeld und hätten nur noch durchbrechen müssen. „Zum Schluss hin wurde es besser, weil einige den Ernst der Lage erkannt haben“, sagte auch Andreas Müller. Dann kam der Abpfiff, und bei 1860 wurden die Gesichter lang. Der Trainer hatte fest mit einem Sieg gerechnet. „Es lag an der Einstellung eines jeden Einzelnen“, analysierte er die Niederlage. Sein Team wollte den Sieg nicht genug. Dass die Bremer nicht überrannt wurden, lag einzig daran, dass der DRC eben auch nicht gut war. Dabei hätten sie Lehren aus dem 14:60 gegen die SG Odin/VfR Döhren oder dem 7:61 gegen den TSV Victoria Linden ziehen können.

Die Rückrunde beginnt schon am 1. Dezember, für die Bremer bei der FT Adler Kiel. Von allen vier Gegnern in der zweiten Bundesliga ist das der einzige, gegen den 1860 bislang punkten konnte.

VON LIANE JANZ
Weser-Kurier, Ausgabe 20.11.2018, Seite 27

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