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Über das Netz und zurück

Das inklusive Badminton-Quartett von Bremen 1860 würde gern wachsen

Er ist der Mann mit den Schlüsseln. Als erster kommt Peter Falkenberg in die Turnhalle der Grundschule Lessingstraße und bereitet das Spielfeld für seine Badminton-Teamkollegen vor. Zwei Pfosten auf die grüne Mittellinie, ein Netz dazwischen gespannt und dann kann es eigentlich schon losgehen. Der ehrenamtliche Übungsleiter lässt sich bei seinen Vorbereitungen nicht hetzen. Zwar ermöglicht ihm eine Beinprothese das freie Fortkommen ohne Hilfsmittel, ausreichend Zeit nimmt sich der 78-Jährige für seine Aufgaben immer.

Auch Peter Falkenbergs Mitspieler Joachim Jung trägt eine Beinprothese. Die beiden Frauen im Team, Kathrin Falkenberg und Kristin Lotze, übernehmen bei den Doppel die Laufarbeit auf zwei gesunden Beinen.

Entstanden ist die Gruppe ursprünglich in der Versehrten-Sportgemeinschaft (VSG), die später mit dem Verein für Behinderte (VFB) zur Sportgemeinschaft für Behinderte (SfB) fusionierte. Seit der Fusion der SfB mit Bremen 1860 Anfang 2017 ist die inklusive Gruppe der Badminton-Spieler Teil des großen Schwachhauser Sportvereins.

„Ich bin 1963 eingetreten und hab mich gewundert, was die so alles auf die Beine stellen“, erzählt Peter Falkenberg rückblickend. Die Gruppe bestand damals zum großen Teil aus Veteranen, die im Zweiten Weltkrieg Gliedmaßen verloren haben. Sie spielten Tischtennis, Badminton oder Indiaca, ein dem Volleyball ähnliches Spiel mit südamerikanischen Wurzeln. „Das wichtigste war der Sport und der Spaß daran“, so Peter Falkenberg. Spaß hatten die Sportlerinnen und Sportler auch daran, sich mit anderen zu messen. Vor allem Richtung Hamburg brachen sie häufiger zu Turnieren auf, luden andere norddeutsche Spielgemeinschaften zu sich ein oder trugen Meisterschaften untereinander aus. Genügend Athleten waren sie dafür.

Aus Hamburg stieß 1978 Joachim Jung zur Bremer Gruppe. Er begann seine Badminton-Karriere bereits vorher an der Alster. „Wenn man einmal mit Badminton angefangen hat, bleibt man auch dabei“, erzählt er. Der Sport schule seine Reaktionsschnelligkeit und die Gemeinschaft möchte er auf keinen Fall missen.

Diese Gemeinschaft wurde im Laufe der Zeit immer kleiner. Junge Sportlerinnen und Sportler kamen kaum nach. In den Neunzigerjahren steckte Peter Falkenberg seine Tochter Kathrin mit dem Badminton-Fieber an; sie zog kurz darauf ihre beste Freundin Kristin Lotze nach. In dieser Konstellation spielt das Quartett noch immer – stets in gemischten Teams, die Männer am Netz, weil sie nicht so schnell laufen können, die Frauen decken den hinteren Raum des Spielfelds ab. Jeden Mittwochabend duellieren sie sich in verschiedenen Konstellationen. Wenn allerdings mal jemand nicht kann, muss gleich das ganze Training ausfallen, weil sie zu dritt natürlich kein Doppel spielen können.

Deshalb würde das Quartett am liebsten mindestens zum Quintett oder Sextett werden. Dadurch wären immer ausreichend Spieler da und wenn alle beim Training auftauchen, würde eben durchgewechselt. Die wöchentliche Stunde freies Spiel ist die einzige Zeit, in der die Sportlerinnen und Sportler ihrer Leidenschaft frönen, denn an Turnieren oder Meisterschaften nehmen sie nicht mehr teil.

Interessierte Frauen und Männer können die Gruppe unverbindlich kennenlernen und testen, ob der Sport was für sie ist. Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig, auch Badminton-Schläger hat das Team in Reserve. Nicht-Mitglieder von Bremen 1860 bekommen in der Geschäftsstelle des Vereins im Baumschulenweg 6 von montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr für zehn Euro einen Gästeausweis, mit dem sie das gesamte Vereinsangebot zwei Wochen lang testen können. Die zehn Euro werden bei Vereinseintritt verrechnet. Nähere Informationen zum Gästeausweis gibt es unter Telefon 21 18 60 oder E-Mail info@bremen1860.de. Details zur inklusiven Badminton-Gruppe erteilt Übungsleiter Peter Falkenberg unter Telefon 46 61 36.

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