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Naciely Lizbeth Anton Larios hauchdünn vorn

1860-Fechterin setzt sich beim Friesenturnier gegen ihre hartnäckigste Konkurrentin Hannah Kraken aus Hamburg durch

Das wird eine ganz knappe Kiste. Nur ein Treffer trennt die Kontrahentinnen. Naciely Lizbeth Anton Larios legt vor. Sie trifft. Hannah Kraken gleicht aus, zieht dann sogar um einen Treffer an der Kontrahentin vorbei. Dann piept die digitale Anzeige doppelt. Beide haben getroffen, beide Treffer zählen. Hannah Kraken besiegt die Kontrahentin mit 5:4 Treffern. Im Degenfechten ist das so. Es gibt, im Gegensatz zum Florettfechten, kein Angriffsrecht. Das heißt, potenziell jeder Treffer zählt.
„Deshalb gibt es auch wenig zu diskutieren“, sagte Michael Albrecht. Im Florettfechten entscheide in solchen Fällen der Obmann. Und wenn der eine andere Meinung vertritt als die Fechter, entsteht häufig Gesprächsbedarf, so Albrecht weiter. Der Fechter vom Bremen 1860 leitet die dortige Fechtabteilung und ist Mit-Organisator des traditionellen Friesenturniers. Immer am vorletzten Wochenende im Februar treffen sich Fechter aus ganz Deutschland und dem umliegenden Ausland im Baumschulenweg.

Das Duell Anton-Larios gegen Kraken gab es bereits ein Jahr zuvor. Naciely Lizbeth Anton Larios von Bremen 1860 ist eine der besten Fechterinnen, die der Verein zu bieten hat. Die 27-Jährige begann mit zwölf Jahren in Mexiko mit dem Fünf-Kampf. Das Degenfechten ist neben Schwimmen, Reiten, Laufen und Schießen eine der Disziplinen. Für die mexikanische Nationalmannschaft trat sie erst im Fünf-Kampf und später nur noch im Fechten bei verschiedenen internationalen Wettbewerben an, zuletzt bei der Weltmeisterschaft 2014. Seitdem ruht ihre Sportprofi-Karriere. In Deutschland hat sie zunächst ein Praktikum gemacht, hat dann geheiratet und möchte gern ein Masterstudium beginnen.

Schon 2018 war sie auch beim Friesenturnier dabei. Auch damals waren sie und Hannah Kraken vom Hamburger FC die Favoritinnen im Starterfeld. Damals setzte sich ganz knapp die Hamburgerin durch. Und auch dieses Mal hätte die Entscheidung knapper kaum sein können. Gefochten wird im Marathonmodus. Dabei tritt jede gegen jede an. Am Ende zählt, wer die meisten Siege verbuchen konnte.

Anton Larios und Kraken haben jede elf Siege eingefahren. Also wird für die Entscheidung hinzugezogen, wer in seinen Gefechten die meisten Treffer platzieren konnte. Sowohl die Bremerin als auch die Hamburgerin haben 59 Mal getroffen. Nun kommt den Gegentreffern die entscheidende Bedeutung zu. Kraken wurde 31 Mal getroffen, Anton Larios nur 27 Mal. Damit stand in diesem Jahr die 1860erin vor der Kontrahentin aus Hamburg auf dem Treppchen.

Ähnlich eng wurde es bei den Degenfechtern zwischen den Plätzen zwei und drei. Michael Albrecht von Bremen 1860 und der Amerikaner Todd Kozlowski vom ETV Hamburg gewannen jeweils zwölf ihrer 15 Gefechte. Den entscheidenden Unterschied machte nur ein einziger Punkt im Treffer-Gegentreffer-Vergleich. Der Hamburger hatte in der Bilanz 20 Treffer, der 1860er nur 19. Erster wurde bei den Herren im Degenfechten Wladimir Welsch vom FC Bremen-Nord mit einem Sieg mehr als Kozlowski und Albrecht.

Einen Tag zuvor haben bereits die Florettfechter ihre Duelle im Marathonmodus ausgetragen. Bei den Frauen setzte sich Lara Dreyer vom SV Grün-Weiß Delmenhorst vor 1860erin Amandine Colson und Friederike Pfennigschmidt von der FG Schwerin durch. Bei den Herren siegte Giuseppe Piccione von Grün-Weiss Elmsbüttel vor dem Teamkollegen Martin Winter und Oscar de Vries vom SchermCentrum Noord aus den Nieder­landen.

Neben Amandine Colson waren mit 1860er Arnim Cronjaeger und Jennifer Schröder vom Hanseatischen FC aus Walle nur noch zwei weitere Bremer im Starterfeld der Florettfechter vertreten, während im Degenfechten zwei 1860er sowie fünf Fechter vom FC Bremen-Nord und mit Sven Goltermann einer vom TuS Komet Arsten antraten. Insgesamt seien dieses Jahr deutlich weniger Meldungen als noch ein Jahr zuvor eingetroffen, sagte Michael Albrecht.

Einige kurzfristige Absagen dünnten das Starterfeld weiter aus. Den Teilnehmerschwund beobachte er bei vielen Turnieren in Norddeutschland, sagte Michael Albrecht. Neben einem möglichen allgemeinen Rückgang der Teilnehmerzahlen im Fechtsport habe auch nicht geholfen, dass parallel zum Friesenturnier ein Qualifikationsturnier der Senioren und eines der Jugend angesetzt waren, bei denen es wichtige Punkte für die Ranglisten zu verdienen gab. Die spielen eine Rolle bei der Entscheidung, wer an der Deutschen Meisterschaft teilnimmt.

So war auch die komplette 1860-Jugend, von denen einige beim Friesenturnier startberechtigt gewesen wären, beim Internationalen Florett-Pokalturnier in Mülheim an der Ruhr. Dort überzeugten vor allem Aurelia Gündel mit ihrem zweiten Platz in der U 11 sowie Julius Helling und Lisbeth Buchwald mit ihrem dritten beziehungsweise fünften Platz in der U 13. Die älteren Jugend-Fechter blieben hinter den Erwartungen von Trainer Sebastian Theiß zurück. Insgesamt elf jugendliche Fechterinnen und Fechter von Bremen 1860 stellten sich der Herausforderung in Mülheim.

Nicht nur deshalb war vorher schon absehbar, dass das Friesenturnier eher spärlich besetzt sein würde. Es habe sogar Überlegungen gegeben, es abzusagen, sagte Dietrich Seevers, stellvertretender Abteilungsleiter der 1860-Fechter. Davon habe man schnell abgesehen. „Bremen braucht solche Turniere“, sagte er. Es sei neben dem Schüler- und Jugendturnier, das der Verein ebenfalls ausrichtet, das einzige große Fechtturnier in der Hansestadt. Und das wolle man unbedingt aufrechterhalten.

VON LIANE JANZ
Stadtteilkurier, Ausgabe 21.02.2019, Seite 10

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