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Bremer Fechter überzeugen in Polen und Süddeutschland

Fünf 1860er treten zur „Challenge Wratislavia“ an - Clara Neumann bei der deutschen Meisterschaft

Die Trainer neben der Bahn werden immer nervöser, auch die Fechterin zeigt mehr und mehr Nerven. Das Gefecht läuft offenbar nicht so, wie sie es erwartet hatten. Sebastian Theiß sah das mit Genugtuung: Sein Schützling Elisabeth Wichmann bereitete der Bulgarin Anastaiya Nazarava Probleme. Nach der Vorrunde trafen die beiden Florettfechterinnen in der ersten K.O.-Runde aufeinander. Das Gefecht sei lange ausgeglichen gewesen, sagte Fechttrainer Sebastian Theiß von Bremen 1860. Dann nutzte Elisabeth Wichmann die dünner werdenden Nervenstränge der Gegnerin gnadenlos aus und warf sie mit 15:9 Treffern aus dem Wettbewerb.
Dieser Wettbewerb, die „Challenge Wratislavia“ in Breslau, ist für die Jugend im Fechten der größte weltweit. Aus allen möglichen Ländern, nicht nur europäische, sondern auch aus Asien und Amerika, pilgern Fechterinnen und Fechter der U11, U13 und U15 jedes Jahr nach Breslau, um sich zu messen. Eine Eishockey-Arena wird für fünf Tage umfunktioniert; auf mehr als 20 Fechtbahnen treten die Jugendlichen parallel an. Bei so vielen Menschen um sie herum, so vielen Eindrücken gleichzeitig, agieren die Sportler auf einem ganz anderen Stresslevel, als sie es von regionalen Turnieren gewohnt sind, so der Trainer. Damit seien seine Schützlinge insgesamt gut umgegangen. Für Elisabeth Wichmann war es bereits der zweite Ausflug nach Polen. Und ihr Trainer war stolz auf sie.

Eine deutliche Weiterentwicklung sei sichtbar gewesen, sie werde immer sicherer und vielfältiger in ihrer Technik und platziere die Treffer mehr und mehr gekonnt, sagte Sebastian Theiß. Im zweiten K.O. war trotzdem Schluss für die 14-Jährige. Sie sei ein wenig überrascht gewesen, nach kurzer Pause schon gegen die Russin Irina Krasnoperova auf die Bahn zu müssen. Das 0:15 spiegele nicht wieder, was seine Fechterin eigentlich kann, so der Trainer. Für Elisabeth Wichmann wurde es letztlich Platz 52 von rund 150 Starterinnen in ihrer Altersklasse. Mit diesem Rang war sie die fünftbeste Deutsche im Ranking.

Für Platz 91 ebenfalls in der U15 reichte es für 1860erin Marie Neumann. Sie konnte frühere technische Schwierigkeiten überwinden und zeigte, was sie tatsächlich kann, urteilte der Trainer. „Ich habe sie auf einem Turnier noch nie so gut gesehen.“ In der U11 schaffte es 1860erin Aurelia Gündel auf Platz 73 von rund 150 Starterinnen und war viertbeste Deutsche im Turnier. An sie hatte der Trainer aufgrund ihres Alters keinerlei Erwartungen. „Sie lernt gerade sehr viel“, sagte er. Im Turnier seien Gleichaltrige gemeldet gewesen, die in ihrer Entwicklung weiter sind. Mit der Vorstellung seiner Fechterin war er zufrieden. Bei den Jungs traten die 1860er Finn Bischof und Matthias Mogilin in der U15 an und wurden 148. beziehungsweise 166.

Während die Jüngeren in Breslau Erfahrungen sammelten, trat 1860erin Clara Neumann bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven in Tauberbischofsheim an. Die 17-jährige Bremerin war eine der Jüngsten im Feld der U20-Jährigen. Sie schaffte es bis ins K.O., wo in der ersten Runde Jessica Kinzel vom OSC Berlin auf sie wartete. Die Berlinerin brauchte war als Elfte der Bundesrangliste direkt im K.O. gesetzt. Clara Neumann schickte sie knapp mit 15:14 Treffern nach Hause. Im zweiten K.O. unterlag sie Jessica Mamok von der TG Münster 10:15 und wurde 31. von 71 Starterinnen. Für die Bremerin war es nicht die letzte deutsche Meisterschaft in diesem Jahr, denn sie ist auch für die Bundesausscheidung der Junioren im Mai in Baden-Württemberg startberechtigt.

VON LIANE JANZ
Stadtteilkurier, Ausgabe 28.03.2019, Seite 10