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Vereinsleben

Bitterer Kampf ums Geld

Wirtschaftsförderung streicht Bundesstützpunkt 30 000 Euro ‒ Hoffen auf Defizit-Ausgleich durch die Stadt

Auch wenn die finanzielle Situation alles andere als zufriedenstellend ist und es in Bremen mit der öffentlichen Anerkennung der Leistungen manchmal hapert – sportlich präsentiert sich der Bremer Bundesstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik blendend. Neben Werder Bremen und den Tänzern des Grün-Gold-Clubs sind die Gymnastinnen ein überaus erfolgreiches Aushängeschild. Seit mehr als 25 Jahren werden hier Talente ausgebildet, die anschließend national und international für Furore sorgen. Zuletzt hissten zwei Athletinnen die Bremer Speckflagge in Rio de Janeiro bei den Olympischen Spielen. Dort turnten die 1860-Gymnastinnen Julia Stavickaja und Natalie Hermann erfolgreich mit der Nationalgruppe. Doch damit nicht genug: In der nächsten Woche folgt für die beiden Ausnahmegymnastinnen der Start mit der Gruppe bei der Weltmeisterschaft in Italien. Aber auch national sorgen die Sportlerinnen aus Bremen für Aufsehen. Bei den deutschen Titelkämpfen räumten sie gleich einen Schwung von Medaillen ab. „Diese Erfolge sind großartig“, erklärt Christian Weber, Bürgerschaftspräsident und Vorsitzender des Bremer Turnverbandes, mit Stolz. Und auch die zweite Reihe steht schon parat: Chantal Behrje und Lillie Schupp sind in der Sichtung für die Nationalgruppe. Emely  Terentjew wurde ins DTB-Juniorteam berufen. Die Perspektive der Gymnastinnen am Bremer Stützpunkt geht ganz klar in Richtung Olympia 2020 und 2024. Die Ausbildung des Nachwuchses in Bremen hat nicht nur national einen exzellenten Ruf, auch international. So ist unter anderem Cheftrainerin Larissa Drygala zudem weltweit als Wertungsrichterin unterwegs. Deshalb verwundert es nicht, dass der Deutsche Turner-Bund (DTB) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) davon ausgehen, dass die Anerkennung als Bundesstützpunkt auch nach 2018 weitergehen wird. Die Entscheidung darüber fällt voraussichtlich zum Ende des Jahres. „Wir sind  jedoch ziemlich zuversichtlich“, sagt Leiter Mathias Wiatrek. Unverständlich erscheint es in diesem  Zusammenhang, dass Politiker und mögliche Förderer in Bremen sich schwertun, die nationale und internationale Bedeutung des Stützpunktes und seiner Sportlerinnen auch finanziell anzuerkennen. „Wir müssen um jeden Cent kämpfen“, sagt Christian  Weber, der es sehr bedauert, dass der Stützpunkt jedes Jahr auf dem Prüfstand steht. Das Land Bremen finanziert den größten Teil des Stützpunkt-Etats, und das sollte angesichts der Erfolge auch so weitergehen, meint Weber. Unterstützung bekommt er von der Sportsenatorin, die viel politische Überzeugungsarbeit leisten muss, da sich die  finanzielle Situation am Stützpunkt zugespitzt hat. Die Summe des Vorjahres reicht zukünftig nicht mehr. Nach rund 16 Jahren hat sich die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) kurzfristig aus der Mitfinanzierung verabschiedet. Man müsse die Kriterien der Veranstaltungsförderung streng einhalten und Förderungen, die nicht veranstaltungsbezogen sind, einstellen, erklärte Jens Joost Krüger in einem Schreiben an den Stützpunktleiter. „Damit fehlen uns 30 000 Euro, die wir für die Aufrechterhaltung dringend benötigen“, sagt Weber, der diese Entscheidung zwar akzeptiert, aber nicht wirklich nachvollziehen kann. Vieles sei auch Auslegungssache, das  haben die früheren Verantwortlichen der WFB auch gesehen, glaubt Weber. Vor allem wäre damals anerkannt worden, dass die Gymnastinnen des Bundesstützpunkts beste Werbebotschafter für Bremen darstellen, so der Bürgerschaftspräsident. Die WFB fördert nun nur noch Veranstaltungen. Allerdings werden keine Zuschüsse gewährt, sondern lediglich Defizite ausgeglichen. Wenn also ein Verein oder Verband erfolgreich wirtschaftet, dann bekommt er nichts. Ein Veranstalter müsste schon von vornherein ein Minus planen, um WFB-Gelder zu bekommen. Von Förderung in diesem  Zusammenhang zu sprechen, erscheint schwierig. „Für 2017 können wir diesen Engpass noch gerade abdecken, aber 2018 muss man schon um den Fortbestand des Bundesstützpunktes fürchten“, sagt Weber. Er hat in einem Schreiben die Sportsenatorin  gebeten, bei den Haushaltsberatungen für die dringend benötigte Finanzierung zu kämpfen. Schließlich reiche es für den  Bestand des erfolgreichen Stützpunktes nicht, sich bei Meisterschafts-Veranstaltungen Defizite von der WFB ausgleichen zu lassen. Weber hofft, dass die Bremer Politik einen Weg findet, um die Finanzlücke  wenigstens zum Teil auszugleichen. „Unsere Gymnastinnen tragen aufgrund ihrer Erfolge den Namen unseres Bundeslandes in alle Welt, das muss doch förderungswürdig bleiben“, erklärt der Bürgerschaftspräsident. VON RUTH GERBRACHT Weser - Kurier, Ausgabe 24.08.2017, Seite 21