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Vereinsleben

Der Verein, meine Heimat

Auf seiner jährlichen Ehrungsmatinee zeichnete Bremen 1860 erfolgreiche Sportler und langjährige Mitglieder aus

Sie stehen still, die Köpfe gesenkt – rund 160 geladene Gäste gedenken einen Moment einem, der viel getan hat für den Wiederaufbau der Jugendturn-Gruppen von Bremen 1860 nach dem Krieg. Im Januar ist Peter Schlee unerwartet gestorben. Nur zwei Wochen zuvor leitete der 86-Jährige noch seine Gymnastikgruppe an. 82 Jahre Mitgliedschaft im Sportverein, in denen er 50 Mal das Sportabzeichen ablegte und mehr als 60 Jahre lang fast ohne Ausfall seine Sportgruppen betreute. Diesem Mann zollten die Gäste und Organisatoren der Ehrungsmatinee ihren Respekt, bevor Vereinspräsident Hans Claussen und Moderator Axel Pusitzky den freudigen Teil des Vormittags einleiteten.

Einmal im Jahr lädt Bremen 1860 in den Festsaal des Hotels Munte, ehrt sportliche Titel und dankt seinen Jubilaren für die Treue. Besonders Toni Schwarmann sticht dabei heraus: 70 Jahre schon macht sie Sport bei Bremen 1860. Vom Gerätturnen wechselte sie zu Gymnastik, die auch heute noch fester Bestandteil ihres Lebens ist. Damals gab es nur eine Gymnastikgruppe. „Da kannte man die Leute; das war eine Familie“, erzählte die Jubilarin. Enge Freundschaften haben sich entwickelt, die über Jahrzehnte hielten.

Der zweit-dienstälteste Jubilar hat sich sportlich nie spezialisiert. „Mir war Vielfalt wichtiger“, sagte Helmut Schäfer, der seit 65 Jahren im Verein ist. Turnen, Leichtathletik, Faustball, Golf – die Liste seiner Aktivitäten ist lang. Ebenso wie die der Jubilare an sich. 60 Jahre schon begleitet Bremen 1860 Klaus Walter und Fred Brauweiler in all ihren Lebenslagen. Wilfried Kracke, Rainer Müller, Volker Prohn, Malte Quaas, Rolf Ravenschlag, Bettina Schröder und Egon Storm sind seit 50 Jahre ihrem Sportverein verbunden.

Die Liste der Jubilare ist unter anderem deshalb so lang, weil erstmals auch Sportlerinnen und Sportler geehrt worden, die bei der Verschmelzung mit der Sportgemeinschaft für Behinderte (SfB) Anfang 2017 zu 1860 wechselten. Athletinnen wie Rosemarie Fesser: Ein Arbeitskollege machte 1977 die alleinerziehende Mutter mit Kinderlähmung auf die Angebote der SfB aufmerksam. Nachdem sie zum ersten Mal mit anderen sportbegeisterten Menschen mit Behinderung ins Schwimmbecken stieg, war es um die junge Witwe geschehen. Das Schwimmen liebt sie bis heute. Im Wasser kann sie sich gut bewegen und die Stunde am Abend ließ sich gut mit ihrer Arbeit und den Pflichten als Mutter vereinbaren. Seit Rosemarie Fesser in Rente ist, genießt die 75-Jährige nicht mehr nur das abendliche Schwimmen, sondern geht gern auch morgens ins Schwimmbad.

Auf ebenfalls 40 sportliche Jahre blicken Fritz Behrens, Klaus Bergmiller, Rainer Cohrs, Christa Dürr, Reiner Gorski, Lars Haase, Bettina Kappelmann, Manfred Kösling, Renate Lottermoser, Peter Momsen und Rolf Wenzel zurück. Die Aufstellung derer, die seit 25 Jahren zu Bremen 1860 halten, ist traditionell am längsten. Dieses Jahr sind es 23 Aktive, die sich über die Bandbreite des Vereinsangebots austoben.

Alle Jubilare eint, dass sie im Verein nicht nur ein sportliches Zuhause gefunden haben. Sie organisieren Kohl-Fahrten, entwickeln Freundschaften, haben Gemeinschaft, eine Heimat gefunden. „Das ist genau das, was Verein ausmacht“, hob Vize-Präsidentin Doktor Kirsten Schüller hervor.

Drei besondere Urkunden hielt 1860-Präsident Hans Claussen für seinen Vorgänger Peter Scheuer sowie den ehemaligen Schatzmeister Wilhelm Sinram und Turnerin Roswitha Wahl bereit. Peter Scheuer, in dessen mehr als 20-jähriger ehrenamtlicher Amtszeit der Verein um rund 2400 Mitglieder wuchs und sich auch räumlich stark entwickelte, darf sich jetzt Ehrenpräsident nennen. Zudem wurde ihm sowie Wilhelm Sinram und Roswitha Wahl die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Mit neun Jahren meldete die Mutter Roswitha Wahl und ihre vier Schwestern bei Bremen 1860 an. Schnell erturnte sie sich einen Platz in einer Gruppe für talentierte Mädchen und fuhr zu Wettkämpfen. Quasi nebenbei bildete sie sich zur Trainer-Helferin aus. Noch immer leitet die 80-Jährige etwa ein halbes Dutzend Fitness- und Gesundheitskurse bei Bremen 1860 und misst sich regelmäßig im Wettkampf. 2017 wurde sie bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften Vizemeisterin in der Altersklasse 75-80 Jahre. Im Mai will sie wieder antreten. Dann hat sie einen Titel schon sicher: Mit 91 Jahren zieht sich die bisher älteste aktive Turnerin der Welt Johanna Quast aus dem Wettkampf-Leben zurück. Mit ihrem Abgang übernimmt Roswitha Wahl den Titel.

Da wollen andere Sportlerinnen und Sportler noch hin. Ein Schritt in diese Richtung ist den Fechtern gelungen. Die Männer holten sich die Landesmannschafts-Meisterschaft in der Ü20 an Degen und Florett. Acht Landesmeistertitel konnten die Eis- und Rollkunstläuferinnen einfahren und bei den Turnerinnen stehen zwei Einzel- und der Mannschaftstitel auf Regionalebene zu Buche. Gleich 49 Rhythmischen Gymnastinnen hatte das 1860-Präsidium Urkunden zu überreichen. Damit die Matinee im zeitlichen Rahmen blieb, nahm das Trainerteam den Stapel entgegen und teilte die Dokumente später aus. Für Treppchen-Platzierungen im Sportkegeln für Behinderte bei den Deutschen Meisterschaften und im Show-Down bei den Norddeutschen Meisterschaften erhielten blinde und sehbehinderte Sportlerinnen und Sportler Urkunden aus den Händen des Präsidiums. Die Show-Downer haben sich mit ihren Platzierungen auch für die Deutschen Meisterschaften im April qualifiziert. Ein Titelgarant ist neben den Rhythmischen Gymnastinnen traditionell die Dance- und Show-Gruppe „Rhythmix“, die Landesmeister wurde und bei den Deutschen Meisterschaften den vierten Platz in der Gruppe 30plus ertanzte. Auch die Seniorenturnerinnen Renate Recknagel und Roswitha Wahl, die Gold beziehungsweise Silber beim Turnfest in Berlin errangen, gehörten wieder einmal zu den ausgezeichneten Athletinnen. Für ihren Aufstieg in die Landesliga ehrte das 1860-Präsidium die zweiten Volleyball-Damen und für ihren Aufstieg in die Dritte Liga die ersten Volleyball-Herren.

Nach dem etwa zweieinhalb-stündigen Ehrungsmarathon hatte Moderator Axel Pusitzky noch eine Botschaft für die Gäste: „Bewegung ist der Schlüssel für alles!“ Sie hält gesund und jung und verbindet Menschen – ein Leben lang.

  • Ehrungsmatinee 2018
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