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Vereinsleben

Deeskalation auf dänisch und japanisch

Michael Holm (5. Dan) nahm bei einem Aikido-Lehrgang bei Bremen 1860 auch die Dan-Prüfungen ab

Ist das Ki nicht in Balance, sind die Techniken nicht effizient. Auf die Körperenergie, eben das Ki, legt Michael Holm (5. Dan) ein besonderes Augenmerk. Der dänische Aikido-Großmeister war auf Stippvisite in Bremen und gab bei Bremen 1860 einen offenen Lehrgang. Dabei legten die 1860-Aikidoka Jens Sallmann und Eduard Weissblatt ihre Prüfung zum 1. Dan ab. Es ist Michael Holms zweiter Besuch bei Bremen 1860 – die Lehrgänge mit ihm sollen zu einer Tradition im Dojo im Baumschulenweg werden.
Auch Jens Sallmann und Eduard Weissblatt hatten bereits Bekanntschaft mit dem Großmeister gemacht. Vor einem Jahr nahm er ihnen die Ki-Prüfungen (Shoden) ab, die Voraussetzung für die Dan-Prüfung ist. Jetzt folgte die logische Fortsetzung. Und die baut auf einer Empfehlung des Bremer Meisters Christian Probst (3. Dan) auf. Wenn er sagt, sie seien bereit für die Prüfung, dann machen sie sie auch, erzählt Jens Sallmann. Das Seminar bei Michael Holm bot einen lehrreichen Abschluss der langen Vorbereitung auf die Prüfung. Gegen Ende des zweiten Seminartages standen die beiden Dan-Anwärter im Mittelpunkt des Geschehens - und glänzten.
Vor rund 25 Jahren begann Jens Sallmann mit Aikido, damals noch im Budo-Club von Kampfsport-Legende Wolf-Dieter Wichmann. Aus Platzgründen mietete sich die Gruppe zunächst bei Bremen 1860 ein und wechselte später ganz zu dem Schwachhauser Sportverein. Die Harmonie, die in der japanischen Kampfkunst Aikido gelehrt wird, sei auch in der Gruppe zu spüren gewesen. Er fühlte sich dort von Beginn an wohl und blieb, erzählt Jens Sallmann. „Es ist ein Zusammenarbeiten, kein Gegeneinander.“ Das sei bei den Trainingseinheiten zu spüren: Die Aikidoka achten aufeinander, korrigieren sich gegenseitig und geben einander Tipps. Zudem bestehe nie der Zwang, an Wettbewerben teilnehmen zu müssen, weil es im Aikido keine gibt. Auch Prüfungen sind keine Pflicht. „Man tut was nur für sich“, so Jens Sallmann.
Eduard Weissblatt fand vor etwa elf Jahren aus anderen Motiven zum Aikido. „Ich hab etwas für meinen Sohn gesucht“, erzählt er. Der Junior war damals in der neunten Klasse und wollte nicht allein zum Training gehen. Eigentlich war des Vaters Plan, ein paar Monate mitzumachen und den Junior dann allein gehen zu lassen. Diesen Plan hat er schnell verworfen. „Ich versuche nicht mehr, aufzuhören“, sagt er schmunzelnd. Eduard Weissblatt war gerade mit seinem Referendariat fertig, als er zum ersten Training ging. Das fühlte sich nicht nur körperlich gut an. „Nach dem Training hab ich gemerkt, dass der Kopf frei war“, erzählt der neue Dan-Träger.
Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten, wo viel mit kraftvollen Tritten und Fauststößen oder mit ringerartigen Bewegungsabläufen gearbeitet wird, mutet Aikido durch die fließenden, weichen Bewegungen wie ein Tanz an. Dabei spielt das Ki eine große Rolle, wie Michael Holm den Seminarteilnehmern unter anderem aus Bremen, Berlin und Hamburg vermittelte. „Er sieht sofort, wenn jemand körperlich nicht im Lot ist“, erzählt Aikido-Abteilungsleiter Christian Probst. Aus diesem Ungleichgewicht erwächst häufig, dass Techniken mit Kraft ausgeführt werden, was mit dem Gedanken und der Lehre vom Aikido nicht vereinbar sei. Die Effizienz bei den Techniken komme über Spannung ohne großen Krafteinsatz, vermittelte der dänische Meister den Lehrgangsteilnehmern. „Sein Fokus lag auch auf früher Deeskalation, für den Fall, dass jemand in die Situation gerät, Aikido im Alltag einsetzen zu müssen“, so Christian Probst.
Michael Holm gründete 1996 mit Finn Killbuck Johansen zusammen im dänischen Gladsaxe das „Toitsu – Ki & Aikido Dojo“ als Ableger eines Dojos in Kopenhagen. Im Laufe der Jahre hat er sich ein großes Netzwerk an befreundeten Dojos aufgebaut und reist durch die Welt, um Seminare zu geben und die Aikido-Gemeinschaft wachsen zu lassen. Nach dem ersten Seminar in Bremen besuchten ihn einige hanseatische Aikidoka in seiner Heimat und nahmen an Trainingseinheiten teil.
Weiterer hoher Besuch hat sich bei Bremen 1860 angekündigt: Im Juni gibt Großmeister Doshu Yoshigasaki, Leiter des Ki no Kenkyukai International, aus Belgien einen offenen Lehrgang im Dojo im Baumschulenweg 8-10.
Frauen und Männer, die Aikido kennenlernen möchten, haben immer donnerstags von 18.30 bis 20 Uhr Gelegenheit dazu. Dann führt Meister Christian Probst jeden in die japanische Kampfkunst ein. Nicht-Mitglieder können das Vereinsangebot mit einem Gästeausweis für zwei Wochen testen. Den Ausweis gibt es für zehn Euro von montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr in der Geschäftsstelle von Bremen 1860 im Baumschulenweg 6 sowie nach 18 Uhr beim Schließdienst am Halleneingang. Weitere Infos sind unter Telefon 21 18 60 oder info@bremen1860.de erhältlich.

FOTO: Martin Wahlich

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