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Der Traum von den Spielen

Basketballer Daniel Schlon steht bei den „European Maccabi Games“ in Budapest im jüdisch-deutschen Nationalteam

Wettbewerb – sich messen, zeigen, was er drauf hat, an seine Grenzen gehen, sich komplett auspowern, dabei voll auf die eine Sache konzentrieren und mit ein bisschen Glück als Sieger vom Platz gehen. Es ist genau dieser Wettkampfcharakter, der Daniel Schlon anstachelt, der ihn motiviert, der ihn immer weiter machen lässt. Nie schwänzt er auch nur eine Trainingseinheit, gibt bei den Ligaspielen seiner Mannschaft immer 100 Prozent. „Die Maschine“ nennt ihn der Abteilungsleiter Niklas Dettlof deshalb. Mit diesem Ehrgeiz und seinem spielerischen Können hat es der Basketballer Daniel Schlon von Bremen 1860 in die jüdische-deutsche Nationalmannschaft geschafft – als einziger norddeutscher Spieler.

Im Sommer wird der Bremer die deutschen Farben bei den „European Maccabi Games“ in Budapest tragen. Ein Trainingslager im Mai und eines direkt vor dem europäischen Wettbewerb sowie das reguläre Vereinstraining sollen ihn darauf vorbereiten. Zusätzlich geht er joggen und arbeitet eigenständig im Fitnessstudio an seiner Athletik. Sportlich nahm Daniel Schlon seinen Anfang in einer deutlich ruhigeren Richtung.

Bei Werder Bremen spielte er als Kind Schach, war mit neun Bremer Meister und hat den kopflastigen Sport auch genossen. „Aber ich brauchte was mit mehr Bewegung“, sagt der 24-jährige BWL-Student. Er probierte einiges aus und war von Basketball schließlich so begeistert, dass dafür irgendwann auch Schach zurückstecken musste. Beim FC Oberneuland stand er fortan als einer der Leistungsträger im Jugendaufgebot. Als die Basketballabteilung von Oberneuland vor rund sieben Jahren geschlossen in den Baumschulenweg umzog und mit Bremen 1860 fusionierte, kam auch Daniel Schlon nach Schwachhausen. Aktuell spielt er mit der ersten Herrenmannschaft in der Oberliga, wurde in dieser Saison Vizemeister. Neben seinem spielerischen Engagement bringt er sich auch als Schiedsrichter ein und pfeift Partien bis zur Bezirksliga.

Mit dem Jüdischen Turn- und Sportverband Makkabi Deutschland kam er vor einigen Jahren über Kontakte in der jüdischen Gemeinde in Berührung. 2016 stand er zum ersten Mal im Kader des Basketball-Nationalteams und nahm an einem Trainingslager teil. Eigentlich war auch angedacht, an der Makkabiade 2017 teilzunehmen, doch damals kam kein Basketballteam zustande. Die Makkabiade ist nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. Sie wird ebenfalls im Vierjahresrhythmus immer in Israel in vielen verschiedenen Sportarten ausgetragen. Dieses Jahr in Budapest findet die europäische Version der Spiele statt, nachdem die vergangenen European Games in Berlin, und damit zum ersten Mal in Deutschland überhaupt, ausgetragen wurden. Bei der Heimpremiere verpassten die jüdisch-deutschen Basketballer knapp das Treppchen. Ihr bestes Ergebnis bisher war die Silbermedaille bei den „European Maccabi Games“ 2003 in Antwerpen. Der Bremer Daniel Schlon hat noch keine Vorstellung davon, was die Deutschen in Budapest wirklich reißen können. Er rechnet mit starker Konkurrenz vor allem aus Russland und Frankreich, aber auch Gastgeber Ungarn solle man nicht unterschätzen, sagt er.

Schlon, der 1860er, ist jetzt schon freudig aufgeregt, wenn er an die Spiele in Ungarn denkt. Und er gibt alles, um nach der zeit- und kraftraubenden Oberligasaison in Topform zu bleiben. „Das erwartet der Trainer auch“, sagt Daniel Schlon. Der Coach der Makkabi-Basketballer ist der Düsseldorfer Matthias Gierth.

Der Bremer Daniel Schlon fährt zum ersten Mal zu Maccabi Games. Sein älterer Bruder Benjamin kam dem Traum schon einmal sehr nahe, als er für die jüdisch-deutsche Nationalmannschaft im Fußball nominiert war. Kurz vorher zog sich Benjamin Schlon einen Kreuzbandriss zu und musste passen. Die Verletzung beendete seine Fußballkarriere insgesamt. Der jüngere Schlon läuft somit bei den 15. „European Maccabi Games“ vom 26. Juli bis 7. August für den älteren mit auf. Seine Teamkollegen, hauptsächlich aus dem Ruhrpott, Frankfurt, zwei kommen aus Israel, kennt er schon. In Trainingslagern haben sie Freundschaft geschlossen. Aus dem norddeutschen Raum ist außer dem Bremer kein weiterer Basketballer dabei.

So verwunderlich ist das nicht, sind Makkabi Deutschland und die Makkabiot, so die Mehrzahl von Makkabiade, noch recht unbekannt. Und auch nicht so gut gefördert, wie andere Verbände und Turniere. 2000 Euro kostet Daniel Schlon das Abenteuer Budapest. Die Hälfte davon trägt der Verband Makkabi Deutschland, einen Teil übernimmt der Spieler selbst und einen weiteren Teil will sein Verein Bremen 1860 zusteuern, für den Rest muss er Anträge schreiben oder sich einen Sponsor suchen. Sollten Firmen oder Privatpersonen Interesse haben, den Bremer bei seinem Abenteuer zu unterstützen, stellt Basketball-Abteilungsleiter Niklas Dettlof (n.dettlof@bremen1860.de) den Kontakt her.

Für Daniel Schlon soll der Ausflug nach Budapest nicht sein letztes Engagement für die jüdisch-deutsche Nationalmannschaft bleiben. 2021 steht die nächste Makkabiade in Israel an. Der Traum, dort aufzuspielen, lebt weiter.

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