News

Vereinsleben

Trainieren wie ein Paraleichtathlet

1860-Trainer Christian Siegmund hat viele spannende Eindrücke vom ersten DLV-Inklusionsworkshop in Berlin mitgebracht

Teilhabe wird immer wichtiger. Menschen mit Handicap möchten ein ganz normales Leben führen – auch sportlich. Häufig fehlen dafür aber die geeigneten Sportstätten und Trainer. Die Leichtathletik-Abteilung von Bremen 1860 hat auf dem Weg zu inklusiven Trainingsgruppen einen weiteren Schritt gemacht. Finanziell unterstützt vom Bremer Leichtathletik-Verband (BLV) hat 1860-Trainer Christian Siegmund als einziger Bremer Coach am ersten Inklusionsworkshop teilgenommen, den der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Kooperation mit dem Deutschen Behindertensportverband in Berlin durchgeführt hat.

In einem theoretischen Teil gaben verschiedene erfahrene Trainer und Sportler mit Behinderung, wie der kleinwüchsige Kugelstoßer Nico Kappel, Impulsreferate zu verschiedenen Themen wie den Trainingsmöglichkeiten im Leistungssport oder dem Klassifizierungssystem in der Leichtathletik. Im anschließenden praktischen Teil konnten die Trainerinnen und Trainer aus den verschiedenen Bundesländern selbst unterschiedliche Rollstühle ausprobieren: Den Rollstuhl, der im Basketball zum Einsatz kommt, empfand Christian Siegmund als sehr wendig und robust und spürte deutliche Unterschiede beispielsweise zu einem Rollstuhl, in dem Bahnwettkämpfe ausgetragen werden. Beim Race Bike nutzen Sportler ausschließlich ihre Beinkraft, um vorwärts zu kommen.

Eine ganz neue Erfahrung sei es gewesen, einen blinden Läufer zu führen, erzählt der 1860-Coach. Über eine Schlinge werden die Hände des in seiner Sehstärke beeinträchtigten Läufers und seines sehenden Begleiters miteinander verbunden und dürfen den Kontakt auch nicht verlieren. Blinde oder sehbehinderte Läuferinnen und Läufer im Training oder beim leichten Joggen im Park zu führen, könne er sich durchaus vorstellen, sagt Christian Siegmund. Um im Wettkampf, beispielsweise im Marathon, Läufer zu begleiten, gehöre schon ein bisschen mehr dazu. „Ich hätte aber das Interesse, tiefer darin einzusteigen, wenn die Möglichkeit besteht.“ Er selbst war im Workshop auch mal der Blinde. Über spezielle Brillen konnten die Workshop-Teilnehmer verschiedene Sehbehinderungen simulieren. Christian Siegmund wurde von einem erfahrenen Profi geführt, dem er sofort vertraute, auch wenn es ihn zunächst Überwindung kostete, direkt loszulaufen. Es ging schließlich über kleinere Hindernisse hinweg oder drum herum.

Die Leichtathletik-Abteilung von Bremen 1860 hat mit Salman Abbariki bereits einen Kugelstoßer und Diskuswerfer mit zerebraler Bewegungsstörung im regelmäßigen Training. Christian Siegmund wünscht sich, künftig noch mehr Paraleichtathleten in reguläre Trainingsgruppen integrieren zu können. Insofern sei es sehr hilfreich gewesen, im Workshop von Leichtathleten mit Handicap aus erster Hand zu erfahren, was sie im Training brauchen und was nicht sein muss. „Bremen kann da noch ganz viel machen“, sagt Christian Siegmund. 1860 und seine Leichtathleten sind bereit dafür!

Foto: Kai Peters

WEITERE NEWS