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Vereinsleben

Jubiläum für eine Herzensangelegenheit

Rosi Wahl leitet seit 25 Jahren Herzgruppen im Reha- und Vereinssport bei Bremen 1860

Wie sich die Zeiten ändern: Früher bekamen Menschen nach einem Herzinfarkt oder einer anderen schweren Erkrankung des Herzens wochenlange Bettruhe verschrieben. Die ehemalige Krankenschwester Rosi Wahl erinnert sich bestens daran. Auf die Idee, Herzpatienten wochenlang im Bett liegen zu lassen, würde heute niemand mehr kommen. Rosi Wahl war bei Bremen 1860 die erste, die Herzkranke wieder mobil machte. Ihre Rehabilitationssport-Gruppe feiert am Sonnabend, 28. September, das 25-jährige Bestehen. Im Ringhotel Munte am Stadtwald in der Parkallee 299 treffen sich um 15.30 Uhr derzeitige und ehemalige Sportlerinnen und Sportler sowie Ärztinnen und Ärzte, die damals und heute die Stunden begleiten.

Neben Roswitha Wahl werden Gisela Drygala, Vize-Präsidentin von Bremen 1860, und Ingelore Rosenkötter, Präsidentin des Bremer Turnverbands, die Gäste begrüßen. Das Rahmenprogramm bestreiten die Mezzosopranistin Stefanie Golisch und Pianist Nico A. Stabel mit ihrem Programm „Somewhere over the Rainbow – Eine musikalische Weltreise um die Welt“, mit dem sie die Feiernden mit vertrauten und unbekannten Stücken aus Musical, Jazz, Operette und Film unterhalten werden. Alle sollen sich wohlfühlen; dafür sorgt Rosi Wahl – schon seit 25 Jahren.

Durch Zufall erfuhr die Kursleiterin seinerzeit, dass sie bei 1860 eine Weiterbildung zur Kursleiterin im Reha-Sport machen kann und meldete sich an. Nach dem erfolgreichen Abschluss im November 1993 eröffnete sie im September 1994 ihre erste Herzsportgruppe mit drei Sporttreibenden, deren Ärzte ihnen die Bewegung verordnet hatten. Denn nur dann können Menschen am Reha-Sport teilnehmen. Zwei der Pioniere, Tanawan Wilke und Rolf Stefes, betreiben immer noch Herzsport bei Rosi Wahl, seit langem aber nicht mehr mit Reha-Verordnung, sondern als Vereinsmitglieder in einer der beiden Herzsportgruppen im Rahmen des Seniorensports. Sie werden bei der Jubiläumsfeier gesondert geehrt. Die zwei inzwischen Über-80-Jährigen stehen ihren teilweise 20 bis 25 Jahre jüngeren Mitsportlern in nichts zurück. „Die Leute sind unwahrscheinlich fit, weil sie über Jahre hinweg jede Woche in die Sportstunden kommen“, sagt Rosi Wahl.

Die Gruppe von damals wurde stetig voller. Viele Menschen kamen in die Geschäftsstelle des Vereins auf der Suche nach Beratung, erzählt Renate Schierer. Sie arbeitete seinerzeit im Service von Bremen 1860 und verantwortete auch die Abrechnung mit den Krankenkassen. Das Konzept Reha-Sport sei noch relativ neu gewesen und die Frauen und Männer, denen er verschrieben wurde, hatten viele Fragen, bevor sie sich anmeldeten. Relativ schnell war die maximale Teilnehmerzahl in den Gruppen erreicht. „Wir hatten immer eine volle Warteliste“, sagt Renate Schierer. Das könnte auch daran gelegen haben, dass es in Bremen sehr wenige Vereine gab, die Reha-Sport anboten. Rund 25 Jahre später ist die Nachfrage zwar nach wie vor da, die Warteliste aber ein wenig kürzer.

Sporttreibende zu finden, sei nicht das Problem gewesen, erzählt Rosi Wahl. In den Herzgruppen im Rahmen von Reha-Sport muss eine Ärztin oder ein Arzt anwesend sein. „Die musste ich erst einmal sammeln“, so die Kursleiterin. So einige Praxisklinken hat sie geputzt im Stadtteil, bis sie einen Pool an Medizinern zusammen hatte, die in den Stunden rotieren. Die Ärzte Harm Hammer, Matthis Gutwinski sowie Wolfgang Nobel und Jürgen Maaß (†) waren die ersten. Aktuell rotieren Claudia Bleil, Margit Heider und Manfred Kölsch in den Stunden, machen die Übungen gemeinsam mit den Reha-Sportlern mit und sind in den Pausen bei Fragen und Unklarheiten für die Frauen und Männer da. Auch praktische Einheiten bauen die Ärztinnen und Ärzte ein: Dabei kann es beispielsweise darum gehen, wie ein Defibrillator funktioniert und wie auch Laien ihn bedienen können.

Die Lizenz, im Reha-Sport Gruppe trainieren zu dürfen, muss regelmäßig aufgefrischt werden. Rosi Wahl blieb die 25 Jahre hinweg am Ball und ist zu einer kompetenten Fachkraft in dem Bereich geworden, auf die der Sportverein nicht verzichten möchte. Sie ist auch der soziale Kitt, der die Gruppen über den Sport hinaus zusammenhält, sagt Renate Schierer. Denn die Kursteilnehmer sehen sich nicht nur in der Sporthalle. Mehrmals im Jahr unternehmen die Sportlerinnen und Sportler mit Rosi Wahl etwas Geselliges. Ihre Schützlinge seien in einem Alter, in dem sie oft schon allein sind, erzählt die Kursleiterin. Die Kinder sind lange aus dem Haus, der Partner vielleicht schon gestorben. Bei der jährlichen Weihnachtsfeier, einer jährlichen Kohl-und-Pinkel-Fahrt und Tagesausflügen, beispielsweise ins Packhaus- oder andere kleine Theater, in die Fischlehrküche in Bremerhaven, nach Worpswede oder auf verschiedenen Flüssen, sowie bei Mehrtagesfahrten haben sich die Kursteilnehmer gut kennengelernt. Viele tiefe Freundschaften haben sich dabei entwickelt. An den geselligen Runden nehmen nicht nur die Sportlerinnen und Sportler der aktuellen Gruppen teil, sondern auch Ehemalige. Dadurch kommen bei einer Weihnachtsfeier beispielsweise auch mal runde 100 Leute zusammen.

Rosi Wahl, inzwischen auch 82 Jahre alt, nimmt das Jubiläum aber lange nicht als Anlass, an den Ruhestand zu denken. Die Kursleiterin und aktive Turnerin wird ihren Herzsportlern weiter erhalten bleiben. Auf die nächsten 25 also!
 

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