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Vereinsleben

Das Aha-Erlebnis

Wie das Feuerwerk der Turnkunst nach Bremen kam und für Bremen 1860 zu einer Erfolgsgeschichte wurde

Das Feuerwerk der Turnkunst ist ein echter Dauerbrenner: Zum 32. Mal findet Europas größte Turnshow in diesem Jahr bereits statt und sorgt auf ihrer Deutschland-­Tournee in 22 Städten, darunter Hamburg, Köln, Berlin und München, für volle Hallen. Auch Bremen ist eine Station dieser vierwöchigen Tournee, zum 16. Mal nun schon. Am Montag, 30. Dezember, gibt es in der ÖVB-Arena zwei Vorstellungen, Beginn ist um 14 und um 19 Uhr.
Bundesweit lockt die inhaltlich von Regisseurin und Choreografin Heidi Aguilar aus Hannover ausgestaltete Gala rund 250 000 Besucher an. In Bremen erwartet Bremen 1860 als Veranstalter in Summe beider Aufführungen etwa 15 000 Zuschauer. „Die Gala bietet Show, Spektakel und sportliche Höchstleistungen“, sagt Jan Brüning, Projektleiter der Bremer Agentur Spospom, die das Feuerwerk der Turnkunst für Bremen 1860 nun schon seit zehn Jahren vermarktet. Das Konzept der Turnshow hat sich bewährt. Dabei gab es in Bremen anfänglich große Zweifel daran.

Viele Jahre lang war Bremen 1860 in der altehrwürdigen Stadthalle als Gastgeber von Turnveranstaltungen aufgetreten. 1988 hatte „Faszination Turnkunst“ Premiere gefeiert, danach gab es bis zum Jahr 2000 die Turngala des Deutschen Turnerbundes (DTB). Beide Veranstaltungen hatten inhaltlich eines gemeinsam: Es wurden national und international erfolgreiche Kunstturner, darunter beispielsweise auch Olympiasieger aus Russland, verpflichtet, die bei diesen Auftritten ihre anspruchsvollen Übungen präsentierten. Was letztlich nicht so richtig zog, wie Horst Neumann, der langjährige Geschäftsführer von Bremen 1860, einräumt. „Es gab zu wenig Showelemente.“ Der Verein nahm also Abstand von solchen Veranstaltungen, „und danach hatten wir dann zunächst einmal nichts mehr“, sagt Neumann.

Nichts mehr, bis Horst Neumann 2003 mit seinem Freund Claus Kleyboldt ins Gespräch kam. Der frühere Stadthallen-Geschäftsführer machte ihn auf einen großen Artikel in einer Hamburger Zeitung aufmerksam, Thema war das Feuerwerk der Turnkunst. „Wäre das nicht auch was für uns in Bremen?“, wollte Kleyboldt wissen. „Kannste vergessen“, antwortete Neumann spontan. „Das ist wieder nur so eine Turnshow mit Aktiven aller Abteilungen und ein paar Clowns dazu.“ Ein wenig neugierig geworden war der frühere Kunstturner dann aber doch. Er nahm Kontakt zum Veranstalter in Hannover auf – und fuhr schließlich gemeinsam mit Claus Kleyboldt zu einer Aufführung, um sich persönlich einen Eindruck davon zu verschaffen.

„Es war besser, als ich es erwartet hatte“, sagt Horst Neumann. In Partnerschaft mit der Stadthalle holte Bremen 1860 das Feuerwerk der Turnkunst also nach Bremen, erstmals 2005 und damals noch in Halle 7. Die Premiere war ausverkauft, und auch im Folgejahr lockte das Event rund 4000 Zuschauer an. Die Skepsis war dahin. Bremen 1860 wurde mutiger. Ging allein ins Risiko – und zog erstmals in die neu ausgebaute, große Arena. „Ein bisschen Schiss hatte ich damals schon“, gibt Neumann zu.

Die Sorge aber erwies sich als unbegründet. Das Feuerwerk der Turnkunst war in all den Jahren stets ein Zuschauermagnet, sorgte für eine volle Halle und lockte im Januar 2008 allein 9037 Besucher an. Das war zu dem Zeitpunkt nicht nur Tourneerekord, sondern auch deutscher Besucherrekord bei einer Turnveranstaltung. Ein Grund dafür war der Auftritt von Fabian Hambüchen, damals 20 Jahre jung und amtierender Reck-Weltmeister. Mithilfe von Karstadt Sports als Sponsor war es Bremen 1860 gelungen, Hambüchen mit seiner WM-Kür nur für diese Bremer Veranstaltung ins Programm einzubinden – „und die Leute wollten ihn sehen“, sagt Horst Neumann.

Im Rückblick habe diese Resonanz den Verantwortlichen bei Bremen 1860 Gewissheit gegeben, „dass wir alles richtig machen“, so Neumann. Und deshalb halten sie nicht nur daran fest, dieses „Feuerwerk-Paket“ einzukaufen und zu vermarkten, sondern bieten den Interessierten aus Bremen und dem niedersächsischen Umland inzwischen auch regelmäßig zwei Aufführungen pro Jahr. Aufführungen, für die sie wie jetzt aktuell auch kämpfen und ins Risiko gehen. Aufgrund des engen Terminplans hatte 1860 eigentlich bei der anstehenden Tournee nur eine Veranstaltung erhalten sollen. Für Neumann und seine Mitstreiter kam das aber nicht infrage: „Damit hätten wir zu viele Leute verprellt.“ Also gibt es erstmals auch eine Nachmittagsveranstaltung an einem Werktag. Und der gut angelaufene Vorverkauf zeigt: Die Anziehungskraft ist ungebrochen, die Rechnung geht auf.

Inhaltlich neu erfinden, sagt Horst Neumann, könne sich das Feuerwerk der Turnkunst derweil nicht. „Es wird schwierig, die Show auf diesem hohen Niveau zu halten“, sagt der 66-Jährige und ergänzt mit Blick auf die Erfahrungen der letzten drei, vier Jahre: „Ich weiß nicht, ob es überhaupt noch etwas Neues geben kann.“ Neu vielleicht nicht, aber eben doch immer wieder anders. Bunt gemischt mit wechselnden Artisten. Imposant in Szene gesetzt dank ausgeklügelter Lichttechnik und Beleuchtung und in diesem Jahr musikalisch erstmals sogar von einer eigenen Band live begleitet. Am Ende läge jedoch alles im Auge des Betrachters: „Der Zuschauer braucht immer etwas Sensationelles, ein Aha-Erlebnis“, sagt Horst Neumann.

Opus im Doppelpack

Mit Opus 2020 macht das Feuerwerk der Turnkunst auch in diesem Jahr in der Bremer ÖVB-Arena Station – allerdings, und das ist neu, am 30. Dezember und damit noch im Jahr 2019. Beim 16. Tourstopp in der Hansestadt wird die Veranstaltung also erstmals noch im alten Jahr und überdies im Doppelpack an einem Werktag stattfinden. Beginn des fast dreistündigen Programms ist um 14 und um 19 Uhr. Für beide Veranstaltungen sind noch Tickets erhältlich, die Karten kosten für Erwachsene zwischen zwölf und 46 Euro. Weitere Informationen finden Sie unter www.feuerwerkderturnkunst.de.

VON FRANK BÜTER
Weser-Kurier
Ausgabe 21.12.2019, Seite 24

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