News

Vereinsleben

Rhythmische Sportgymnastik

Bundesliga-Start ohne Bremen

Die 1860-Gymnastinnen wollen aufgrund der Pandemie nicht zum Wettkampf nach Saarbrücken reisen
Bildunterschrift: Bremens Vorzeige-Gymnastin Julia Stavickaja: Auf einen Bundesliga-Start in Saarbrücken wird ihr Team vorsichtshalber verzichten.
Bremen. Titelfavorit Bremen 1860 nimmt nicht am ersten Wettkampftag der neuen Bundesliga für Rhythmische Sportgymnastik (RSG) in Saarbrücken teil. Grund dafür ist die Corona-Pandemie. Auch drei weitere Mannschaften sowie die zweite Mannschaft der Bremer haben sich zurückgezogen. Der Wettkampf findet an diesem Sonnabend nun ohne diese Teams statt – ebenso wie voraussichtlich das Finale Ende November.

„Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft. Deshalb wollen wir uns auch entsprechend verhalten“, erklärt Bundesstützpunkt-Trainerin Larissa Drygala die Bremer Entscheidung. Man wolle sich an den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel orientieren, die appelliert hatte, auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Eine Reise nach Saarbrücken für einen sportlichen Wettkampf, von dem man finanziell nicht abhängig sei, zähle für die Mannschaften von Bremen 1860 als nicht notwendig. Bereits am Mittwoch habe der Bundesligist die Deutsche Turn-Liga (DTL) über den Rückzug informiert.

Für Bremen 1860 ist das aus sportliche Sicht ein schwerer Schlag. Bis zuletzt hatten die Gymnastinnen auf eine Teilnahme an der ersten Saison der neu geschaffenen Liga hintrainiert. Der Titel wäre durchaus möglich gewesen, denn der Kader ist unter anderem mit der Olympionikin von 2016, Julia Stavickaja, und Lillie Schupp, die im Nationalteam turnt, stark besetzt. Auch Bremen 1860 II, das in der 2. Bundesliga antritt, stand vor einer vielversprechenden Saison. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, auch weil wir so lange keinen Wettkampf mehr geturnt haben“, sagt Drygala. Nun ist alle Mühe zunächst umsonst: Die Bremer werden null Punkte erhalten und können ihre Titelambitionen damit begraben.

Das hat die DTL am vergangenen Sonntag nach einer Videokonferenz mit den Vereinen entschieden. Eine komplette Absage des Wettkampftages oder gar eine Annullierung der Saison habe nie zur Debatte gestanden, berichtet Drygala. Die Liga habe den Vereinen die Entscheidung, ob sie turnen, nicht vorschreiben wollen. Nun findet der Wettkampftag sogar vor 100 Zuschauern statt.

Zunächst hatte im Raum gestanden, dass 1860 per Video teilnehmen könnte. Dies scheiterte jedoch unter anderem daran, dass auch in diesem Fall mindestens zwei Kampfrichter aus Bremen nach Saarbrücken hätten fahren sollen, sowie am Widerstand einiger der übrigen Mannschaften, die Sorge vor einer Verzerrung des Wettbewerbes hatten. Darüber hinaus entschieden sich im Laufe der Konferenz drei weitere Vereine dazu, auf eine Teilnahme zu verzichten, nachdem ursprünglich nur Bremen 1860 seine beiden Mannschaften zurückgezogen hatte. Die Videolösung wäre für einige Vereine jedoch offenbar zu kurzfristig gewesen. Das geht aus einer Pressemitteilung der DTL hervor. Mit der kompletten Nullnummer können die Bremer allerdings gut ­leben. Die möglichen Konsequenzen waren dem Verein vorher durchaus bewusst. „Wir haben als Mannschaft – Sportlerinnen, Funktionäre, Eltern – uns aber einfach nicht wohlgefühlt mit einer Teilnahme“, sagte Drygala, die das nicht als Kritik am Hygienekonzept der DTL und des Ausrichters verstanden wissen will.

Ein weiterer Grund für die Absage der Bremer ist die Deutsche Meisterschaft, die anderthalb Wochen später, am 5. und 6. November, in Düsseldorf stattfindet. Denn dort werden die Bremer Gymnastinnen antreten. „Als Bundesstützpunkt haben wir keine andere Wahl“, begründet Drygala die unterschiedlichen Entscheidungen. Entsprechend soll verhindert werden, dass die Mannschaft in Quarantäne muss.

Es könnte deshalb auch sein, dass Bremen 1860 am zweiten Wettkampftag der RSG-Bundesliga teilnimmt. Der findet am 7. November in Bielefeld statt. Die Gymnastinnen könnten direkt aus Düsseldorf anreisen. Die DTL steht einem Einstieg der aussetzenden Mannschaften offen gegenüber, wie die Liga in einer Pressemitteilung schreibt. Neben den beiden Bremer Mannschaften werden der VfL Zehlendorf, Fortuna Berlin und der TSV Schmiden nicht antreten. Die drei Mannschaften starten zusammen mit 1860 II in der zweiten Liga. Für die Aufstiegsregelung wäre es sogar wichtig, wenn mindestens eine dieser drei Mannschaften zum zweiten Wettkampftag im Unterhaus antritt.

Die vier besten Mannschaften der zweiten Liga, mit Ausnahme des nicht aufstiegsberechtigten Bremen II, machen die zwei Aufsteiger untereinander aus. In Saarbrücken werden jedoch nur drei Mannschaften – SSC Karlsruhe, Turngau Münsterland, TSV 03 Mommenheim – Punkte sammeln. Absteiger wird es hingegen in der Debüt-Saison nicht geben. Ein Umstand, der den Bremern die Entscheidung erleichtert hat. Die zwei Staffeln der Bundesliga werden somit für 2021 um je ein Team anwachsen. Die zweite Liga könnte durch Mannschaften ergänzt werden, die bisher noch gar nicht in der Bundesliga vertreten sind.

Welche Mannschaften den Sprung in das Oberhaus schaffen – und wer der erste Meister der RSG-Bundesliga wird, entscheidet sich am 28. November in den Bremer Messehallen. Bremen 1860 hat sich für drei Jahre das Recht zur Austragung des finalen Wettkampftages gesichert. Ob das Turnier überhaupt stattfindet, hängt indes von der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen ab. Klar dürfte allerdings bereits sein, dass die Heimmannschaften nicht mit von der Partie sein werden.

Quelle: Maurice Arndt
Weser-Kurier, Seite 26, Ausgabe 24.10.2020
Bild: Bremen 1860
Bildunterschrift: Bremens Vorzeige-Gymnastin Julia Stavickaja: Auf einen Bundesliga-Start in Saarbrücken wird ihr Team vorsichtshalber verzichten.

WEITERE NEWS