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Turner-Bund sagt DM doch noch ab

Wut am Bremer RSG-Stützpunkt

JÖRG NIEMEYER
Bremen. "Es ist schon eigenartig, dass diese Meisterschaft nicht auch abgesagt wird", hatte Larissa Drygala am Montag dem WESER-KURIER gesagt. Da war die Landestrainerin am Bundesstützpunkt Bremen der Rhythmischen Sportgymnastik (RSG) angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie verwundert und besorgt zugleich. Verwundert, dass in Düsseldorf die Deutschen Meisterschaften im Turnen, Trampolinturnen und in der RSG noch stattfinden sollten. Und besorgt um die Gesundheit ihrer Sportlerinnen und auch um ihre eigene. Am Dienstagvormittag war Larissa Drygala dann vor allem wütend – darüber, dass die Großveranstaltung zwei Tage vor dem Beginn am Donnerstag nun doch abgesagt worden war.

"Die Absage so kurz vor der DM ist ein Schlag ins Gesicht der Sportlerinnen", schimpfte Larissa Drygala. Während sie sich in Rage redete, war die Nachricht aus Nordrhein-Westfalen noch keine halbe Stunde alt. Dort hatten die Behörden und der Deutsche Turner-Bund (DTB) im letzten Moment entschieden, die Wettkämpfe abzusetzen. An diesem Mittwoch um 9 Uhr hätte sich die 13-köpfige Delegation aus Bremen, bestehend aus neun Gymnastinnen, drei Trainerinnen und einer Kampfrichterin, auf den Weg an den Rhein machen wollen. Am Montag hatten die Sportlerinnen bis 19.45 Uhr in dem Glauben trainiert, dass die DM trotz aller mulmigen Gefühle stattfinden würde.
Vorwurf: Mangelnde Transparenz

"Wir waren und wir sind ja für diese Absage", stellte Larissa Drygala klar. Darüber ärgerte sie sich also nicht, sondern über deren Kurzfristigkeit und noch mehr über die mangelnde Transparenz des DTB. Die Ungewissheit, ob die DM stattfindet, gepaart mit der Notwendigkeit, für den Ernstfall ordentlich zu trainieren, habe seit vergangenem Donnerstag alle Beteiligte viel Kraft gekostet, sagte Drygala. "Und dann wird uns der Boden unter den Füßen weggezogen, obwohl wir wissen, dass die Absage richtig ist." All die Unwägbarkeiten hätten sehr an den Nerven gezerrt. "Wir wussten nicht mal, ob wir im Hotel hätten frühstücken und wo wir abends hätten essen können."

Von mehreren Seiten hatten die Bremerinnen am Montag Hinweise erhalten, dass die DM ausfallen würde. Nur der DTB habe sich nicht gerührt. Weil sich die Hinweise aber verdichteten, strichen die Trainerinnen Birgit Passern, Aleksandra Zapekina und Larissa Drygala nach Absprache mit ihren Schützlingen die für Dienstag geplante Einheit. "So haben wir wenigstens noch persönlich mit den Gymnastinnen reden können", sagte Drygala.

Wut und Enttäuschung der Landestrainerin sind verständlich. Mit einer Mail ist die Saison, deren Höhepunkt eigentlich jetzt bevorstehen sollte, plötzlich beendet. "Das muss im Kopf erst mal verarbeitet sein", sagte Drygala. Das gilt für sie und die Aktiven gleichermaßen. Denn nun ist, wie schon im Frühjahr, wegen Corona erneut Improvisation angesagt. "Jetzt müssen wir unseren Aktiven in den kommenden Wochen anderes bieten – und hoffen, dass sie alle dabei bleiben."

Quelle: Jörg Niemeyer
Weser-Kurier, Seite 26, Ausgabe 04.11.2020
Bild: Bremen 1860

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