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Bremen 1860 Rugby

Das hatten sich die Rugby-Spieler von Bremen 1860 etwas anders vorgestellt: Nach knapp zwei Jahren ohne echten Wettkampf fieberte das Team um sein Trainergespann Giacomo Bertini und Gareth Davies dem Saisonauftakt in der 2. Bundesliga Nord entgegen und zeigten sich vor dem Heimspiel gegen Hannover 78 II durchaus zuversichtlich.

Doch der Start ging total daneben, mit 10:75 (5:19) verloren die Gastgeber gegen die haushoch überlegenen Gäste mehr als deutlich. "In der ersten Halbzeit konnten wir noch einigermaßen mithalten", resümierte der enttäuschte Abteilungsleiter Bastian Steinborn, "doch nach ihrem nächsten erfolgreichen Versuch direkt zu Beginn der zweiten Hälfte riss bei uns komplett der Faden, wir leisteten uns in der Defensive zu viele Fehler  und Hannover kam anschließend zu leichten Punkten."

Der zurzeit verletzte Stürmer aus der zweiten Reihe der Hausherren musste vom Spielfeldrand aus tatenlos zusehen, wie die spiel-und laufstarken Niedersachsen sein Team nach allen Regeln der (Rugby)-Kunst förmlich auseinander nahmen. "Bei den Standards, der Gasse und dem Gedränge gingen uns durch die noch fehlende Spielpraxis einfach zu viele Bälle verloren", resümierte Headcoach Bertini. Die 60er benötigten zudem eine lange Anlaufzeit, ehe ihnen die ersten Punkte der neuen Spielzeit durch Spielführer Andreas Bahr (38.)  und Peer Lewandowski (55.) gelangen. Allerdings scheiterten die Gastgeber jeweils mit dem anschließenden Versuch, aus fünf Punkten sieben zu machen.

Zusätzlich zum fehlerhaften Spiel der Bremer kam dann auch noch Verletzungspech hinzu, nach einem Zusammenstoß mit einem gegnerischen Spieler musste zunächst Vize-Kapitän Jann Kölsch das Spielfeld mit Verdacht auf Rippenbruch verlassen, wenig später wechselte Headcoach Bertini auch noch Julio Shkembi aus, der sich in einem hart geführten Gedränge am Kopf verletzt hatte. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme, "erläuterte Bastian Steinborn, "mit einer mutmaßlichen Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen."

Zu Beginn der zweiten Hälfte schöpfte Bremen 1860 schließlich neue Hoffnung, ein erfolgreicher Versuch führte zunächst zum 10:19-Anschluss, doch dann sei "der Akku leer" gewesen, konstatierte Bastian Steinborn. Während Hannover unvermindert aggressiv in das Gedränge und nahezu jedes Laufduell ging, brach der Widerstand bei den Hausherren mit zunehmender Spielzeit deutlich und ihnen fehlten vor allen Dingen in den letzten 15 Minuten der einseitigen Begegnung die nötigen Kraftreserven, um sich noch einmal gegen die Niederlage aufzubäumen. "Uns fehlte einfach der Elan", zeigte sich Steinborn zerknirscht, "besonders in der Defensive haben wir so gut wie keine Gegenwehr mehr geleistet." Die Gäste nutzten die zahlreichen Fehler der Bremer dagegen gnadenlos aus und fuhren mit einem "auch in dieser Höhe verdienten" (Steinborn) Auswärtssieg in die niedersächsische Landeshauptstadt zurück.

Für Bremen 1860 stand vor dem Saisonstart fest, dass die Mannschaft um die ersten drei Plätze mitspielen wolle, erklärte der Trainer. "Alles andere wäre vermessen", räumte Bastian Steinborn unumwunden ein, "dafür sind einfach zu viele ähnlich starke Teams wie Hannover 78 in der Liga." Allerdings zeigte sich Giacomo Bertini dennoch zuversichtlich, "dass wir uns mit einigen Teams auf Augenhöhe bewegen". So seien der DRC Hannover oder RT Münster, aber auch der Wiedenbrücker TV durchaus Gegner, mit denen die Bremer mindestens mithalten oder die sie auch besiegen könnten. "Unser Ziel für die aktuelle Saison ist die Verstärkung und Weiterentwicklung des Kaders", führte Bertini aus. "Aber wir wollen auch versuchen, den dritten Platz erreichen."

 Die Saisonvorbereitung hatte für Bremen 1860  bereits Ende Mai begonnen, "um die Spieler nach der ungewohnt langen Pause wieder langsam an die physischen Belastungen heranzuführen und das Verletzungsrisiko zu minimieren", wie Headcoach Giacomo Bertini erläuterte.

Der Fokus habe dabei zunächst "auf den absoluten Rugby-Grundlagen, wie den Ball passen und fangen" gelegen, erklärte der Trainer. "Außerdem wurden vom Trainerteam Motorik und Koordination intensiv angegangen", ergänzte Bastian Steinborn, "das war auch nötig, da bei den meisten die Bewegungsabläufe doch etwas eingerostet waren." Kontaktbezogene Trainingseinheiten spielten zum Trainingsauftakt allerdings noch keine Rolle, so Bertini, "das wurde erst mit Beginn der Pre-Season ein Thema."

Das Motto des Trainers mutete trotz der klaren Niederlage denn auch vielversprechend an: "Erfolg kann Spaß machen", äußerte sich Bertini beinahe schon philosophisch, "aber Spaß erzeugt immer Erfolg." Diese These gelte für das kommende Auswärtsspiel bei Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli (Sonnabend, 25. September, 15 Uhr) allerdings nur eingeschränkt, räumte Bastian Steinborn angesichts des starken Gegners umgehend ein: "Sie zählen neben Hannover 78 und Viktoria Linden zu den stärksten Teams der Liga", betonte der Abteilungsleiter, "St. Pauli spielt aus meiner Sicht ganz klar um den sofortigen Wiederaufstieg."

Quelle: Christian Markwort
Weser-Kurier-Kurier, Stadtteil Kurier Seite 6, Ausgabe 16.09.2021
Bild: Christiane Nupnau-Herde
 

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