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Vereinsleben

Zwischen Umbruch und Konstanz

Frauen und Männer von Bremen 1860 starten mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Basketball-Oberliga

Bremen. Wenn die Frauen von Bremen 1860 an diesem Sonnabend (13.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Bürgerfelder TB in die neue Spielzeit in der Basketball-Oberliga West starten, geht es Spielertrainerin Stefanie Oelfke ein wenig wie Fußball-Trainer Markus Anfang von Zweitligist Werder Bremen: Sie weiß noch nicht, welche Spielerinnen ihr überhaupt zur Verfügung stehen werden. „Wir sind gerade dabei, den Kader zusammen zu stellen“, erklärt Oelfke, „aber das kann noch mehrere Wochen dauern“. Unmittelbar vor Saisonbeginn stehe das Team kurzfristig vor einem kompletten Umbruch, „da mehrere spontane und unvorhersehbare Spielerausfälle eine komplette Neuaufstellung erfordern“, führt Oelke aus.

Auch sie selbst ist davon betroffen, schließlich vertritt sie Cheftrainerin Daria Eickhoff, die aufgrund einer Schwangerschaft bis auf Weiteres pausiert. Während der Vorbereitungsphase sei ihr klar geworden, „dass Bremer Jugendtalente in den letzten zwei Jahren fehlgeleitet worden sind“, erläutert Stefanie Oelke.

Den Nachwuchsspielerinnen sei die Möglichkeit, in der Oberliga mitwirken zu können, nicht bekannt gewesen. „Wir freuen uns daher sehr, diese Kontakte nun selber in die Hand genommen zu haben“, betont die Spielertrainerin, „und versuchen abermals, mit einer gesunden Mischung aus Alten Hasen, Erfahreneren und durstigen Jugendspielern aufwarten.“
Planungssicherheit bei den Männern

Alle Jugendspielerinnen, die bislang im Kader gestanden haben, hätten sich für ein Studium weit außerhalb Bremens entschieden, erklärt Oelfke: „Insgesamt sind noch nicht alle Änderungen vollzogen“, sagt sie, „sobald das der Fall ist, freuen wir uns darauf, schnell zu einem schlagkräftigen Team zusammen zu wachsen, wie man es von den Damen von 1860 kennt.“ Dafür muss sie allerdings eine Menge Zeit aufbringen – und gleichzeitig den Sport mit ihrem Beruf in der Logistikbranche und ihrer Ehe unter einen Hut bringen. „Mein Mann ist auch Basketballer“, erzählt sie, „der hat dafür totales Verständnis und fühlt sich nicht zurück gesetzt.“

Bei den Männern herrscht dagegen weitgehend Planungssicherheit, Trainer Nashwaan Al-Hadaay wird das Team auch in der kommenden Saison betreuen. „Nash führt die Mannschaft ruhig und leidenschaftlich an“, zeigt sich 1860-Abteilungsleiter Niklas Dettlof von seinem Coach überzeugt. Für den Trainer stehe nach Ansicht Dettlofs „immer das Wesentliche im Fokus: das Team“.

Dennoch müssen auch die Männer mit Abgängen leben, Guillaume Bouchet ist mit seiner Familie zurück nach Paris gezogen, auch auf Aike Bensmann und Jonas Westphal müssen die „60er“ im Anschluss an die ersten beiden Spieltage verzichten – beide werden die Hansestadt nach den Begegnungen gegen den VfL Rastede (Sonntag, 3. Oktober, 16 Uhr in eigener Halle) und bei der BG 89 Rotenburg/Scheeßel (Sonnabend 9. Oktober, 15 Uhr) verlassen und andernorts studieren.

Als Neuzugänge stehen dagegen bereits Co-Trainer Daniel „Jeff“ Mensa (Vechta) und Nazeem Ninjie (1860-Jugend) fest. „Jeff wird der Mannschaft in den Bereichen Spielverständnis und Defensive weiter helfen“, erklärt Niklas Dettlof, „und Nazeem ist uns in der Vorbereitung mit großem Einsatz sehr positiv aufgefallen.“

Für Stabilität sollen auch in der neuen Saison mehrere Stützen des Teams sorgen, gewährt Dettlof einen Einblick in die Philosophie. So stünden weiterhin die Leistungsträger Paul Müller, Christopher Hupe und Keanu Morgrn zur Verfügung. „Paul geht mit viel Engagement auf und neben dem Platz stets voran“, lobt Niklas Dettlof, „Keanu sticht mit seiner Athletik und vielen spektakulären Aktion heraus.“

Auch wenn das Team insgesamt nun noch etwas jünger als in der Vorsaison sei, erwarte der Abteilungsleiter eine erfolgreiche Spielzeit: „Die Jungs definieren sich in erster Linie über viel Einsatz, eine hohe Geschwindigkeit und eine stabile Defensive“, hebt Dettlof die wichtigsten Vorzüge hervor. Jeder Spieler würde in jeder Trainingseinheit eine Leistungssteigerung erkennen lassen“, sagt Dettlof, „und jeder identifiziert sich voll mit dem Verein“.

Dennoch sehe der Abteilungsleiter das Team als Jäger der Favoriten: „Wir gehen als Außenseiter in jedes Spiel“, betont Dettlof, „unser oberstes Ziel ist es, den Klassenerhalt so früh wie möglich fix zu machen.“ Zwar sieht auch Stefanie Oelke ihr Team aufgrund der ungeklärten Personallage als Außenseiter. „Für mich gehören die Teams von Belm-Powe und dem Osnabrücker TB zu den Favoriten“, sagt sie, „aber wir haben gleich zu
Saisonbeginn mit Bürgerfelde einen weiteren Favoriten zu Gast, weshalb diese Begegnung direkt ein erster Härtetest für uns sein wird.“

Stefanie Oelfke und Nashwaan Al-Hadaay sehen beide Ligen als stark an – sind gleichzeitig aber auch von ihren Teams überzeugt. „Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel“, sagt Stefanie Oelke, „aber wir haben bereits bewiesen, dass wir auch mit starken Mannschaften mithalten können.“ Niklas Dettlof stimmt ihr zu: „Beide Teams werden eine erfolgreiche Saison absolvieren und guten Basketball bieten“, zeigt sich der Abteilungsleiter optimistisch.
Quelle: Christian Markwort
Weser-Kurier-Kurier, Stadtteilkurier, Seite 08, Ausgabe 30.09.2021
Bild: Bremen 1860
 

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