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Vereinsleben

Eine Herzensangelegenheit

Volleyballer Niclas Thuernagel ist nach vier Jahren beim Oldenburger TB zu Bremen 1860 zurückgekehrt Zurück zu den Wurzeln: Niclas Thuernagel hat seine Studienzeit in Oldenburg beendet und greift nun wieder für Bremen 1860 an.

Bremen. Das erste Spiel nach seiner Rückkehr zum Volleyball-Regionalligisten Bremen 1860 war für Niclas Thuernagel gleich ein ganz besonderes: Der Außenangreifer im Team von Trainer Thorsten Linné traf mit 1860 zum Auftakt der neuen Saison in der Volleyball-Regionalliga Nordwest ausgerechnet auf den Oldenburger TB und damit auf die Mannschaft, für die er in den vergangenen vier Jahren aktiv war, bevor er in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist.

„Meine ehemaligen Mitspieler wussten nicht, dass ich wieder bei 1860 im Kader bin“, sagt der 23-Jährige schmunzelnd. Und so freute sich der angehende Sonderpädagoge und Sportwissenschaftler vor Spielbeginn über die überraschten Gesichter seiner früheren Teamkameraden. Am Ende dieses Wiedersehens aber freute sich der Gast, der die Halle am Baumschulenweg als Sieger verließ. „Diese Pleite war im Grunde genommen die Fortsetzung unserer ziemlich holprigen Vorbereitung auf die neue Saison“, zeigte sich Niclas Thuernagel nach der 1:3-Niederlage zerknirscht. Seine Rückkehr habe er sich anders vorgestellt, meint er, „aber niemand kann erwarten, dass bei uns nach dieser langen Corona-Pause gleich wieder ein Rad sofort ins andere greift“.

Seine Pause bei Bremen 1860 hatte sich Thuernagel vor knapp vier Jahren genommen, um in Oldenburg zu studieren. Mittlerweile schreibt er an seiner Bachelor-Arbeit und konnte Oldenburg deshalb vor wenigen Wochen wieder in Richtung Bremen verlassen. „Zum Schreiben kann ich auch in Bremen wohnen“, sagt er, „das spart außerdem die ewige Pendelei.“ Während seiner Studienzeit hatte er sich dem OTB angeschlossen, um seiner Leidenschaft auch während des Studiums weiterhin nachgehen zu können. „Volleyball ist mein Leben“, betont Thuernagel, „ich spiele schon, seit ich ein kleines Kind war.“

Bereits als Baby begleitete er seinen Vater Axel regelmäßig zu dessen Spielen, mit acht Jahren spielte er schließlich selbst. „Im Volleyball wirst du immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und musst innerhalb von Sekunden immer wieder neue Entscheidungen treffen“, erklärt Thuernagel die Faszination, die der Sport auf ihn ausübt. Keine Situation ähnelt der anderen, führt Thuernagel aus, „das macht es immer wieder spannend“.

Auch seine 21-jährige Schwester Anna spielt seit ihrer Kindheit Volleyball  – und ist mittlerweile selbst beim Oldenburger TB aktiv. „Sie ist  ein bisschen in meine Fußstapfen getreten und für ihr Medizinstudium auch nach Oldenburg gezogen“, erklärt Niclas Thuernagel.

Für den 23-Jährigen steht bei 1860 nun neben dem angestrebten Studienabschluss und seinem Nebenjob in erster Linie das Kennenlernen seiner Mitspieler im Vordergrund. „Ich spiele jetzt in Bremen meine erste Saison bei den Herren“, erklärt der gelernte Außenangreifer, „bislang war ich hier ja nur in den Jugendmannschaften aktiv.“ Dort lernte er auch Thorsten Linné kennen, seinen heutigen Trainer in der Regionalliga und Förderer von Kindesbeinen an.

„Niclas ist ein sehr intelligenter Spieler und ein feiner Bursche“, freut sich der Trainer über die Rückkehr seines ehemaligen Zöglings. „Er ist bei uns als Führungsspieler fest eingeplant, weil er die entsprechende Mentalität und das nötige Spielverständnis dafür mitbringt.“

Linné kennt Niclas Thuernagel seit dessen Geburt, ab der U 12 trainierte er ihn und ebnete ihm gleichzeitig auch den Übergang in den Seniorenbereich. „Ich habe Thorsten viel zu verdanken, er war wie ein zweiter Vater für mich“, betont Thuernagel, der bei seinem Herzensverein 1860 nach der Schule auch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert hat. Der zweite Lieblingsverein des jungen Mannes ist der SV Werder Bremen, regelmäßig ziehe es ihn zu den Heimspielen ins Weserstadion. „Manchmal ist es ein schwieriger Spagat, Freunde, Studium, Volleyball und Werder unter einen Hut zu bringen“, sagt der Fußball-Fan, „aber vor Corona war ich bei jedem Heimspiel von Werder dabei.“

Der Spagat dürfte in Zukunft noch schwieriger werden, denn neben zwei Tagen Volleyballtraining pro Woche widmet sich Niclas Thuernagel an bis zu drei Tagen auch dem Kraft- und Athletiktraining. In Zukunft will Thuernagel seine Erfahrung auch an den Nachwuchs weitergeben, als Jugendtrainer kommt dann noch mehr Zeit in der Halle auf ihn zu. „Ich kann gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen“, sieht er dieser Zeit entspannt und voller Vorfreude entgegen. Auf diese Weise könne er Bremen 1860 etwas zurückgeben, erklärt Thuernagel, „ich bin hier großgeworden und habe dem Verein viel zu verdanken.“ Gleiches gelte indes auch für den Oldenburger TB, beeilt er sich hinterher zu schieben, „dort bekam ich die Chance, mich bei den Herren zu beweisen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln“.

Neben dem Volleyball in der Halle hat Niclas Thuernagel auch einen Faible für Beachvolleyball – 2015 wurde er gemeinsam mit Ole Sagajewski Deutscher Beachvolleyball-Meister in der U 18, wofür beide auch von der Bremer Sportjugend (BSJ) geehrt wurden. „Niclas hat immer viel Spaß an dem, was er tut, und er verfügt über ein großes Selbstbewusstsein“, hebt 1860-Trainer Thorsten Linné zwei Vorzüge seines Neuzugangs hervor. Thuernagel sei „ein exzellenter Teamplayer und reißt die ganze Mannschaft mit seinem Enthusiasmus mit“, führt Linné weiter aus. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Niclas viel Freude haben und erfolgreich sein werden“, sagt der Trainer.

Quelle: Christian Markwort
Weser-Kurier-Kurier, Stadtteilkurier Seite 10, Ausgabe 21.10.2021
Bild: Bremen 1860
 

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