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Vereinsleben

Von Neuwerk bis ins Pietzmoor

Die Wandergruppe Ü60 von Bremen 1860 feiert im Oktober zehnjähriges Jubiläum

Einfach raus in die Natur, sich den Wind um die Nase wehen lassen, vielleicht auch mal nass werden und während der Bewegung mit Gleichgesinnten schnacken und lachen. Seit zehn Jahren können genau das Frauen und Männer ab 60 Jahre in der Wandergruppe Ü60 von Bremen 1860 tun. Am 7. Oktober 2009 zogen zum ersten Mal knapp 20 Mitglieder los. Nach Völkersen ging es damals. „Das war die nasseste Wanderung überhaupt“, sagt Friedhelm Burgdorff. Er initiierte die monatlichen Wanderungen und leitete sie bis Ende 2016 auch. Dann hat Klaus Kelka übernommen.

Seit 1969 wandert Friedhelm Burgdorff regelmäßig. Um die 25.000 Kilometer wird er wohl im Laufe der Jahrzehnte zurückgelegt haben, schätzt er. Später leitete er auch Wandergruppen beim Bremer Alpenverein. Davon erfuhr die damalige Leiterin des Seniorensports bei Bremen 1860 Maren Hoops. Sie überzeugte den leidenschaftlichen Wanderer davon, doch auch in dem Schwachhauser Sportverein eine Wandergruppe ins Leben zu rufen. Für die allererste Tour, eben nach Völkersen, fand sich auch schnell eine Gruppe. Rund 14 Kilometer legte sie an dem Tag durch den Dauerregen zurück. „Ich bin zuerst ein bisschen schnell gegangen“, gibt Friedhelm Burgdorff zu. Mit Menschen jenseits der 60 zu wandern, war er noch nicht gewohnt, und außerdem war ja sportliches Wandern angesagt. Von Tempo und Nässe ließen sich viele aus dieser ersten Gruppe nicht abschrecken. Sie kamen wieder und wanderten seitdem immer mindestens 18 Kilometer am Tag. Die längste Tour, die die 1860-Wanderer je an einem Tag zurückgelegt haben, betrug 27 Kilometer. Das sei aber die Ausnahme, sagt Klaus Kelka.

Er wanderte eine ganze Weile bei Friedhelm Burgdorff mit, absolvierte einen Wanderführerlehrgang beim Harzklub nach den Regeln des Deutschen Wanderverbands und ist seit Anfang 2017 als lizensierter Wanderführer für die Organisation und Durchführung der Wanderungen bei 1860 verantwortlich. Unterstützt wird er dabei von Mabel von Bothmer, die schon seit etwa 2015 die An- und Abmeldungen koordiniert. Seine Lizenz als Wanderführer wie auch seine Kenntnisse in Erster Hilfe frischt Klaus Kelka regelmäßig auf. Um eine gewisse Spannung zu erhalten, werden die Ziele der monatlichen Wanderungen den Teilnehmern immer erst relativ kurzfristig bekannt gegeben. Wetter und Einkehrmöglichkeiten spielen bei der Organisation eine entscheidende Rolle. Mittags haben gerade in ländlichen Gegenden nicht viele Lokale auf – und die Einkehr ist wichtig. Den Bärenanteil der Strecke absolvieren die Wanderer am Vormittag. „Danach ist das Frühstück aufgebraucht“, sagt Klaus Kelka. Deshalb muss immer auch für ein Mittagessen gesorgt sein. Das hat auch den Vorteil, dass die Wanderer nicht viel Gepäck mit sich herumtragen müssen. Ein kleiner Rucksack mit einer Wasserflasche, vielleicht einem Müsliriegel und Stauraum für die Regenkleidung reicht. Das wichtigste überhaupt sind aber die Schuhe. Die sollten für Wanderungen ausgelegt sein; es kann durchaus nass und matschig werden.

„Moore haben es uns angetan“, sagt Klaus Kelka. Das ist natürlich aber auch der norddeutschen Landschaft geschuldet. Der Erkundungsraum der Ü60-Wanderer erstreckt sich etwa von Cuxhaven im Norden bis in die südliche Lüneburger Heide. Inzwischen haben die Wanderer so viele Gegenden in Nordwestdeutschland erkundet, dass die Karte kaum noch weiße Flecken aufweist. Bei besonders schönen Strecken fragen langjährige Wanderer aus der Gruppe auch mal nach, ob sie die nicht noch einmal erkunden können. Neuere Gruppenmitglieder wandern diese Strecken dann zum ersten Mal. So eine besonders schöne Wanderung machten die 1860er beispielsweise ins Pietzmoor bei Schneverdingen. Das stand bereits mehr als einmal auf dem Tourenplan. Friedhelm Burgdorff durchwanderte das auch schon einmal im Winter, als Heide und Moor von Frost überzogen waren.

Mit Ausnahme von Dezember sind die Wanderer das ganze Jahr über unterwegs. Was sich jeden Sommer wiederholt, ist die Wattwanderung nach Neuwerk – immer von Cuxhaven-Duhnen aus. Einmal ist die Gruppe von der Insel Neuwerk auch zur Insel Scharhörn gewandert. Das sei insofern etwas Besonderes gewesen, weil diese Tour tidenbedingt nur zwei bis drei Mal im Jahr möglich ist, erzählt Klaus Kelka. Für diese Wanderung musste auch pflichtgemäß ein ausgebildeter Wattwanderführer engagiert werden, weil die Strecke durch das streng geschützte Naturschutzgebiet Wattenmeer führt.

Zur Erinnerung an diese und andere Wanderungen erstellt der Hobbyfotograf Klaus Kelka jährlich ein Fotobuch. Etliche hat er inzwischen in seinem Fundus. Und es werden garantiert noch mehr, denn seit dem Jubiläumsjahr gibt es zwei Wanderungen im Monat. Für diejenigen, die keine 15 bis 20 Kilometer mehr laufen können, gibt es verkürzte Touren. Das Konzept ist gut angekommen. Denn so können gerade ältere Frauen und Männer noch länger teilhaben an Geselligkeit und Kameradschaft in der Natur und diejenige, die nicht genug bekommen können, wandern eben zwei Mal im Monat.

Ihren runden Geburtstag feiert die Wandergruppe am Mittwoch, 9. Oktober, mit einer kurzen Tour durch den Stadtwald und um den Unisee und einer anschließenden kleinen Feier im Vereinslokal „cool down“ von Bremen 1860. Im November steht der jährliche Marsch nach Eystrup zum Gänseessen an und im Januar die traditionelle Kohltour. Die Wanderungen ab Februar hat Klaus Kelka noch nicht fest geplant. Fest steht, dass die 1860er wieder die Lüneburger Heide besuchen werden und natürlich im Sommer nach Neuwerk wandern. Wandertag ist immer mittwochs.

Nicht-Mitglieder können über einen Gästeausweis mit wandern. Den gibt es von montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr für zehn Euro in der 1860-Geschäftsstelle im Baumschulenweg 6. Nähere Informationen zum Gästeausweis sind unter Telefon 21 1860 oder E-Mail info@bremen1860.de erhältlich. Anmeldungen für die Wanderungen nimmt Mabel von Bothmer bis zwei Tage vor dem jeweiligen Termin unter Telefon 0176 / 54 26 35 89 entgegen. Die Termine für das erste Halbjahr 2020 stehen in einem Faltblatt, das ebenfalls in der Geschäftsstelle erhältlich ist.
 

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